Zeit für gute Bücher

Wenn das soziale wie auch das kulturelle Leben wie gerade jetzt weitgehend darniederliegen, braucht der Mensch natürlich einen passenden Ersatz. Abhilfe schaffen hier sicher auch die digitalen Medien mit ihrer breiten Angebotspalette. Zur Ergänzung und als klassische Alternative greift das Stadtmagazin 07 derzeit allerdings gern auch vermehrt zum Buch. Lesefrüchte, die uns besonders geschmeckt haben, teilen wir natürlich gern mit Ihnen. Unsere heutige Empfehlung: Raphaela Edelbauer — „Das flüssige Land“

Unheimlich (und) faszinierend

Ist einem Roman ein Porträtbild der Autorin oder des Autors beigefügt, begegnet man in der Regel einem Antlitz, das einen mehr oder weniger freundlich, offen und zugänglich begegnet. Bei Raphaela Edelbauer ist das irgendwie anders: Die 30-jährige Österreicherin blickt einen von der hinteren Umschlagseite ihres Romans „Das Flüssige Land“ so verkniffen, verschlossen und ja, skeptisch an, als würde sie selbst daran zweifeln, ob das, was sie da verfasst und vorgelegt hat, auch nur ansatzweise auf Gefallen bei der Leserschaft stoßen mag. Tut es! Sehr sogar. Sämtliche Zweifel gehören sofort zerstreut angesichts dieses Debütromans, der nicht weniger als ein sprachlich brillant gestricktes, augenblicklich fesselndes Erzählmachwerk ist – mit einer surreal anmutenden Geschichte, die zwischen Phantasie und Wirklichkeit, Kunstmärchen und Dystopie, Absurdität und Grauen wandelt: Ruth, eine Physikerin aus Wien, macht sich nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern völlig kopflos auf die Suche nach deren Herkunftsort, Groß-Einland, der seltsamerweise in keiner Landkarte aufgeführt ist. Gerade dabei aufzugeben, entdeckt sie den verborgenen Ort schließlich doch – und taucht ein in eine Welt, die ihr normal und gleichzeitig völlig entrückt entgegen tritt und von der ominösen Omnipräsenz eines riesigen unterirdischen Hohlraums dominiert wird, der zwar offenkundig höchst instabil ist, die damit verbundene Gefahren aber von den Groß-Einländern in kafkaesker Manier ignoriert werden. Fasziniert und irritiert beschließt Ruth zu bleiben und dem Geheimnis des Lochs auf den Grund zu gehen … Unbedingter Lesetipp.

Raphaela Edelbauer

„Das flüssige Land“

Klett-Cotta, Stuttgart

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