Zeit für gute Bücher

Wenn das soziale wie auch das kulturelle Leben wie gerade jetzt weitgehend darniederliegen, braucht der Mensch natürlich einen passenden Ersatz. Abhilfe schaffen hier sicher auch die digitalen Medien mit ihrer breiten Angebotspalette. Zur Ergänzung und als klassische Alternative greift das Stadtmagazin 07 derzeit allerdings gern auch vermehrt zum Buch. Lesefrüchte, die uns besonders geschmeckt haben, teilen wir natürlich gern mit Ihnen. Unsere heutige Empfehlung: Graham Swift — „Da sind wir“

Glück ist flüchtig

Der Brite Graham Swift trägt einen dieser Autorennamen, bei dem man sofort denkt: Irgendwie kommt mir der Name bekannt vor. Selbst wenn man noch keinen seiner Geschichten gelesen hat. Irgendwie hat er einen Namen, der einem vertraut vorkommt. In der Tat ist es jedoch gar nicht so unwahrscheinlich, dass Sie Graham Swift schon einmal begegnet sind – schließlich ist er A: schon seit ziemlich genau 40 Jahren auf dem literarischen Erzählmarkt aktiv und schließlich hat er B: in dieser Zeit mehrere Bestseller-Romane geschrieben, die sowohl mit renommierten Literaturpreisen bedacht als auch für TV und/oder Kino aufbereitet wurden. Insbesondere Romane wie „Wasserland“ (1987), „Letzte Runde“ (1997) oder der zuletzt erschienene Roman „Ein Festtag“ (2017) haben schon viele, glaubt man den Buchkritiken, sogar richtig viele begeisterte Leseraugen gesehen, welche zur Beschreibung ihres Leseeindrucks wiederum nicht mit Worten geizen, die eigentlich jedem Autor und jeder Autor schmeicheln dürften: „federleicht“ sei Swifts Erzählstil, „zauberhaft“ und „elegant“. Diese Attribute lassen sich ohne Weiteres auch auf Graham Swifts in diesem Frühling erschienenen neuen Roman „Da sind wir“ übertragen – gerade das Moment des Zauberhaften bzw. Verzaubernden kommt schnell zum Tragen. So schnell und so geschickt rollt Swift hierin wieder einmal den Erzählfaden aus, dass man schon tief im Netz der frisch ausgebreiteten Geschichte gefangen ist, bevor auch nur fünf Buchseiten umgeblättert sind. Noch besser: Dieser Erzählfluss hält auch an – die ganze Geschichte hindurch …

England im Jahre 1958. Nach der dunklen Zeit des Weltkrieges und der anschließenden Nachwehen erfreut sich das Freizeitvergnügen auf der Insel einer mittlerweile stetig wachsenden Beliebtheit. Insbesondere Seebäder wie Brighton erfreuen sich großer Popularität. Jack Robinson, 28 Jahre alt, ist hier in einem der auf den Piers direkt am Meer gelegenen Theater als Showmaster tätig. Gar mit wachsendem Erfolg: Das Publikum liegt ihm von Tag zu Tag mehr zu Füßen. Weniger erfolgreich ist hingegen sein gleichaltriger Freund Ronnie Deane geblieben, den er beim Militärdienst kennengelernt hat und der ebenfalls den Berufsweg eines Entertainers einzuschlagen versucht – allerdings als Zauberer. Noch ist ihm allerdings in seiner Rolle als Zauberer „Pablo“ der große Publikums-, eigentlich jeglicher Erfolg versagt geblieben. Umso erfreuter ist er daher, als Jack ihm eine Nummer in seinem aktuellen Showprogramm anbietet – allerdings unter der Bedingung, dass er diese mit einer Assistentin ‘aufwertet‘. Ronnie findet diese in Evie White, einer Revuetänzerin und ebenfalls auf der Suche nach dem Durchbruch. Erst ist sie nur seine Assistentin, schnell jedoch seine Verlobte. Als zauberndes Traumpaar begeistern sie einen ganzen Sommer lang die Besucher von Brighton – am Ende der Saison, so der Plan, wollen sie heiraten. Doch als der Vorhang zur letzten Show fällt, ist Ronnie wie von ‘Zauberhand‘ verschwunden und Evie und Jack plötzlich ein Paar… In gewohnter Manier zwischen verschiedenen Zeitebenen springend, breitet Graham Swift mit der ihm ureigenen hypnotischen Eleganz die Geschichte einer Dreiecksbeziehung aus, in der der Schein in Konkurrenz zum Sein tritt und einmal mehr zum Vorschein bringt: Glück ist flüchtig.

Graham Swift

„Da sind wir“

DTV, 159 Seiten (geb.)

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