8. September 2010 | Bühne

Zwei einzigartige Frauen: Else Lasker-Schüler und Corinna Harfouch

Von Stadtmagazin 07


Eine musikalisch-szenische Lesung am 19. September im Theater Rudolstadt.

Erst 1869 dann 1876 und schließlich 1891 – ihr Geburtsjahr verlegte sie mehrmals nach hinten, und als ihr 1926 alle Welt zum 50. Geburtstag gratulierte, war sie völlig überrascht. Else Lasker-Schüler vergaß nie, ein Kind gewesen zu sein, denn ihre Seele blieb ewig jung. Der in Deutschland geborenen jüdischen Dichterin, die in ihrem Leben durch die Extreme und Welten wanderte, widmet die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin Corinna Harfouch nun in Rudolstadt einen ganzen Theaterabend: In der szenisch-musikalischen Lesung „Gott ist kein Spießer“ begegnen sich die zwei einzigartigen Frauen am 19. September um 18 Uhr im Großen Haus des Theaters Rudolstadt.

Das umfangreiche Werk von Else Lasker-Schüler hat viele Gesichter. Sie wechseln von kindlich-scharfer Beobachtung zu Hingabe und Leidenschaft. Nichts ist in ihrer Dichtung alltäglich. Bilder stürzen ineinander, und kein Wort ist ihr schön genug. In dem Leben der bedingungslosen Künstlerin vibriert die Unruhe und das Chaos eines ganzen Jahrhunderts: zwei Weltkriege, Exil, Verlassenheit und Armut. Else Lasker-Schüler bezeichnete sich gern als Indianer oder orientalischen Krieger und warf sich in opulente Kostüme. Ihre Geliebten bombardierte die exzentrische und wohl allzu anstrengende Künstlerin mit Briefen und Gedichten. Fast alle ergriffen früher oder später die Flucht. Und so trieb sie ihr oft tragisches Leben über Berlin in die Schweiz und schließlich nach Jerusalem, wo die „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“ (Gottfried Benn) 1945 starb.

Der Abend „Gott ist kein Spießer“ ist ein Kaleidoskop aus ihren Gedichten, Prosa, Szenen und Briefen. Er lebt von der Poesie, der Stille und der Innigkeit des Augenblicks. Bilderwelten und Klangräume entstehen, die von der Kostbarkeit der Sprache, von der Lust am Verwandeln und der Sehnsucht nach Liebe zeugen. Corinna Harfouch spielt mit den Worten von Else Lasker-Schüler, variiert den Ton, den Rhythmus und überprüft das Gefühl, das so schnell täuschen kann. Der Musiker DJ Shabban begleitet sie dabei.

„Gott ist kein Spießer“. Eine musikalisch-szenische Lesung.
19. September, Theater Rudolstadt
Karten für das einmalige Gastspiel gibt’s unter Tel. 03672/422766.

 Text: Florian Berthold; Foto: Dirk Dunkelberg – look@dirk-dunkelberg.org

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Von Stadtmagazin 07


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Text: Friederike Lüdde; Foto: Friederike Lüdde

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