18. August 2010 | Allgemein, Jena

Regionalhistorie: Emotionale Reise zurück zur Wendezeit

Von Stadtmagazin 07


Mit seiner dreiteiligen Fernsehdokumentation „1990 – Aufbruch zur Einheit“ blickt das MDR FERNSEHEN zwischen dem 24. und 31. August zurück auf die Ereignisse der Wendezeit in Mitteldeutschland. Unbekannte Zeitzeugen und ihre Geschichten stehen dabei im Mittelpunkt.

Spätestens nach der Währungsunion interessierten sich die DDR-Bürger immer mehr für Autos aus westlicher Produktion und immer mehr Händler wollen sich dies zunutze machen. So auch Hans-Hubert Sänger in Jena: Sein altes Bauernhaus mit Scheune funktionierte er kurzerhand zu einem Behelfs-Autohaus um, die entsprechenden Wagen lieferte ihm sein neuer Partner aus dem Ruhrgebiet, mit dem er zusammen eine Firma gegründet hat. Sänger sieht den Autoverkauf zunächst noch als Nebenjob nach Feierabend an, doch die Nachfrage übertrifft seine Erwartungen bei Weitem: „Es standen sieben oder acht Personen vor der Tür, in gewohnter Manier einer sozialistischen Warteschleife, und warteten auf die Eröffnung. Daraufhin habe ich das Büro eröffnet und innerhalb von drei Stunden sieben Auto an sieben Leute verkauft“, erinnert sich Sänger. Die Gewinnspannen für Sänger sind enorm, zudem kam ihm zugute, dass viele DDR-Bürger ihr frisch umgetauschtes Geld nutzten, um sich ihren Traum auf vier Rädern zu erfüllen.


Durch die große Nachfrage muss Sänger ständig für Nachschub an Gebrauchtwagen aus dem Westen sorgen. Deshalb sind fast ununterbrochen Mitarbeiter von ihm unterwegs, um weitere Autos zu überführen. Einer von ihnen ist Ralph Matthes. Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit erfüllt er sich durch die Fahrten den Wunsch nach der großen Freiheit. Gleichzeitig erlebt er verrückte Dinge: „Mein Chef hat mir 100.000 Mark in die Hand gedrückt. Die hab ich unter den Autositz gelegt und bin nach Essen gefahren. Dann ich nachts sogar noch einen Tramper mitgenommen. Naja mir hat ja keiner so viel Geld zugetraut“, berichtet Matthes.


Hans-Hubert Sänger und sein Mitarbeiter Ralph Matthes sind nur zwei von zahlreichen Zeitzeugen, die die Fernsehdokumentation „1990 – Aufbruch zur Einheit“ mit ihren einstigen Träumen und Hoffnungen der Wendezeit und auch so mancher tief schürfender Enttäuschung zu Wort kommen lässt.

Im Mittelpunkt stehen dabei weniger die weltpolitischen Ereignisse von Berlin oder Leipzig als viel mehr die Menschen in Mitteldeutschland, für die sich das Leben während der Wende entscheidend änderte. Es ist ein Blick auf die persönlichen Erfahrungen von Zeitzeugen, die zum Motor oder Bremser auf dem Weg in eine neue Gesellschaft wurden. Zu Wort kommen Menschen aus Eisenach, Halle, Wolfen oder Plauen, die ihr Schicksal in die Hand genommen und Geschichte geschrieben haben. Sie erzählen ihre großen und kleinen Erlebnisse und ziehen eine persönliche Bilanz.

Mithilfe von Raritäten aus den Fernseharchiven und nie öffentlich gezeigten Aufnahmen von Amateurfilmern lässt die MDR-Dokumentation die Zeit des Umbruchs und der politischen sowie persönlichen Veränderungen in Mitteldeutschland wieder aufleben. Vielfältige Beiträge durch den MDR-Hörfunk und die Begleitung durch den umfangreichen Internetauftritt www.mdr.de/1990 runden die aufwändige Produktion ab und heben das Projekt auf eine multimediale Ebene.

Die Zeitzeugenerinnerungen Hans-Hubert Sängers sind im 2. Teil der Trilogie enthalten.

„1990 – Aufbruch zur Einheit. Unbekanntes aus Mitteldeutschland“
Teil 1: 24. August 2010
Teil 2: 25. August 2010
Teil 3: 31. August 2010
Jeweils 22:05 Uhr im MDR FERNSEHEN
www.mdr.de/1990

Text: Florian Berthold; Fotos: MDR

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6. April 2010 | Lesung

Papenfuß liest

Von Stadtmagazin 07

Als Lyriker schon zu DDR-Zeiten in der Untergrundszene bekannt, präsentiert Uwe Papenfuß diese Woche in der Kunstsammlung Jena Gedichte aus seinem Buch „ation-aganda“.

Im Rahmen der im März eröffneten Ausstellung „Poesie des Untergrunds – die Literaten- und Künstlerszene Ostberlins 1979 bis 1989“ ist am Donnerstag, den 8. April 2010 um 20 Uhr, der bekannte Lyriker Bert Papenfuß zu Gast in der Veranstaltungsreihe „Kunststück am Donnerstag“ in der Kunstsammlung Jena. Er liest aus seinem Buch „ation-aganda“, das Gedichte von 1985 bis 1998 versammelt.

Papenfuß gehörte zu den bedeutendsten Literaten der Ostberliner Untergrundszene und sein „kwehrdeutsch“ ist auch aus der aktuellen Lyriklandschaft nicht wegzudenken. Er verformt die Sprache konsequent und gegen alle Regeln. Mit seinem ’poetischen Anarchismus’ stellte er sich der deutschen Einheit, nimmt Abschied vom „faterland“ und begibt sich auf die Suche nach dem „meuterland“. Da kann man im Grunde nur sagen: Bitte „spannend erzaehlt weitermachen“ Herr Papenfuß.

„Kunststück am Donnerstag“ dem 8. April 2010, 20 Uhr:
Ation-Aganda
Lesung mit Bert Papenfuß (Berlin)

Kunstsammlung im Stadtmuseum Jena, Markt 7, 07743 Jena

Text: Matthias Eichardt; Foto: Stadtmuseum Jena

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22. März 2010 | Heimatkunde

Als Jena modern werden sollte, Teil 2

Von Stadtmagazin 07

Ein Frühlingsmorgen im Jahre 1980: Gemeinsam mit ihren zwei Kindern verlässt Frau W. ihre Wohnung in der Werner-Seelenbinder-Straße. Wie immer recht spät dran, verabschiedet sie die Geschwister hastig an der Schule, eilt zur Karl-Marx-Allee und erreicht die Plattform der Bahnstation gerade in dem Moment, als die aus Lobeda-Ost kommende Einschienenbahn einfährt. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Werktätigen aus dem Viertel besteigt sie die Bahn und gleitet auf der Hochtrasse quer durch Jena ihrem Schichtbeginn im Zeiss-Kombinat entgegen…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 15: April 2010.
Ab 1. April erhältlich.

Text: Matthias Eichardt, Konrad Spath

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1. März 2010 | Ausstellung

Poesie des Untergrunds

Von Stadtmagazin 07

Die Künstlerszene Ostberlins war vor allem in den 1980er Jahren ein schillernder Mikrokosmos, der sich zwischen vielerlei Interessen bewegte und noch heute durch die Fülle und den Einfallsreichtum der beteiligten Künstler beeindruckt. In der Ausstellung werden 38 der wichtigsten Vertreter dieser Szene mit Ihren Werken vorgestellt…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 15: April 2010.
Ab 1. April erhältlich.

Text: Matthias Eichardt; Foto: Kunstsammlung Jena

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26. Februar 2010 | Heimatkunde

Als Jena modern werden sollte, Teil 1

Von Stadtmagazin 07


Als der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, in den sechziger Jahren zu seiner legendären wirtschaftlichen Aufholjagd gegenüber dem Westen ansetzte, um zu ›überholen ohne einzuholen‹, geriet das damals noch kleinstädtische Jena mit Zeiss und Schott als auserwählten ›Lokomotiven der Entwicklung‹ in den Fokus hehrer Umbaupläne. Jena sollte eine sozialistische Musterstadt werden mit allem, was dazu gehört: Innerhalb von wenigen Jahren sollte eine ›moderne‹ Großstadt entstehen, in der täglich mehrere Tausend Genossen und Genossinnen von ihren am Stadtrand gelegenen Neubausiedlungen in die zentral gelegenen Werke fuhren, dort ihr Planziel erfüllten und zum Feierabend wieder in ihre Wohnblöcke zurückkehrten. Und womit? Mit einer Einschienenbahn. Stadtmagazin 07 rekonstruiert die Geschichte einer höchst modernen Transportvision…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 14: März 2010.
Ab 1. März erhältlich.

Text: Matthias Eichardt, Konrad Spath; Foto: JNVG

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