Neues Haus für antike Schätze


Jena ist um eine Attraktion reicher. Nach jahzehntelanger Odyssee öffnet das Archäologische Museum der Universität, das bis zu seiner Schließung 1962 im Universitätshauptgebäude beheimatet war, am neuen Standort in der Carl-Pulfrich-Straße 2 seine Pforten.

Jena ist um ein altes-neues Museum reicher: das Archäologische Museum der Friedrich-Schiller-Universität. Ab sofort sind immer mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr die wertvollen Antikensammlungen wieder der Öffentlichkeit zugänglich. „Wir würden uns freuen, wenn unsere zukünftigen Besucher in den Antikensammlungen der Universität Jena einen Einblick in die Lebenswelten der Menschen der Antike erhalten und sich gleichzeitig an der Schönheit antiker Kunst erfreuen können“, hofft Prof. Dr. Angelika Geyer, Lehrstuhlinhaberin für Klassische Archäologie, auf das Interesse eines antikenbegeisterten Jenaer und auswärtigen Publikums.

Seit 50 Jahren war die wertvolle Sammlung Antiker Kleinkunst auf engstem Raum eingelagert und höchstens während Sonderausstellungen im Stadtmuseum zu sehen. Auch die umfangreiche wie eindrucksvolle Sammlung antiker Plastik, die im Magazin des Berliner Pergamonmuseums ausgelagert war und seit Mitte der 1990er Jahre sukzessive wieder nach Jena zurückehrte, findet hier eine neue Heimstatt. Hochkarätige Dauerleihgaben und Schenkungen, unter anderem aus der Schweiz, haben die Sammlungen in den letzten Monaten zusätzlich bereichert, so dass sie nun weit mehr als 2.000 Exponate umfassen und sich auch dank der neuen Ausstellungsfläche mit bedeutenden Sammlungen anderer deutscher Universitäten messen lassen können.


Vor den in tiefes Blau getauchten Wänden des neuen Museums erwartet die Besucher ein repräsentativer Überblick mit Objekten aus allen wesentlichen antiken Epochen, prachtvolle griechische und etruskische Vasen aus der bedeutenden Antikensammlung des Italieners Giovanni Pietro Campana etwa, ein korinthischer Bronzehelm aus Olympia, antike Öllampen und Glasgefäße oder auch ein römisches Terrakotta-Relief. Unweigerlich den Blick auf sich ziehen sowohl die zahlreichen, teils monumentalen Gipsabgüsse antiker Plastiken als auch die Nachbildung einer antiken Grabstätte, in deren Zentrum – umgeben von überraschend farbigen Wandmalereien – eine Vitrine mit einer originalen etruskische Urne steht. Zu den wissenschaftlich interessantesten Ausstellungsobjekten zählt ein umfangreicher Komplex von Scherben antiker Trinkschalen, der einer Athener Töpferwerkstatt um das Jahr 400 vor Christus entstammt und heute die Bezeichnung „Werkstatt des Jenaer Malers“ trägt.

Die Anfänge des Museums gehen auf das Jahr 1846 zurück, als der Altphilologe und Antikenforscher Carl Wilhelm Goettling zunächst in einem einzigen Raum des Jenaer Stadtschlosses zunächst lediglich 70 Sammlungsobjekte zu präsentieren vermochte. Seine Glanzzeit erlebte das Museum nach dem 1907 erfolgten Umzug in das anstelle des Schlosses errichteten Universitätshauptgebäude, in dem der gesamte Südostflügel den Antikensammlungen vorbehalten war. Noch heute weist das eigens für das Museum geschaffene Eingangsportal am Löbdergraben auf die damalige Nutzung hin.

Text + Fotos: Andreas Klossek

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