Nach Hause telefonieren?


Wolfram Lotz legt die ‘Außenwelt in Splitter’

24.02.2011│20.00h│Deutsches Nationaltheater Weimar│foyer III│Premiere/Uraufführung│einige nachrichten an das all

Mehrere unbehauste Gestalten treffen in diesem Theaterstück des jungen Autors Wolfram Lotz aufeinander: zwei Krüppel, die an Beckettsche Clowns erinnern, aber auf keinen Godot mehr hoffen dürfen; der Alleinerziehende Klaus, dessen Tochter bei einem Autounfall ums Leben kam, und der einen Adressaten für seinen Schmerz sucht; Kandidaten einer Talkshow, die ihre persönlichen Botschaften ans All senden wollen. Und Kleist, der Autor, dem „auf Erden nicht zu helfen war“. Sie alle leiden an der kosmischen Verlorenheit, und nur der Leiter des Fortgangs sorgt noch für etwas Unterhaltung inmitten der Leere. Doch Lotz‘ Figuren wollen sich nicht abfinden mit der Sinnlosigkeit ihres Daseins. Sie kämpfen um ein Leben nach dem Tod, beharren auf ihren Sehnsüchten, riskieren ihr Leben für fixe Ideen. Und selbst dem Leiter des Fortgangs fällt es immer schwerer, seinen Unterhaltungsbetrieb routinemäßig am Laufen zu halten.
Diese verzweifelt-komische Suche wahlloser Figuren nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Liebe kennt Trash und Tragik. Vor allem aber kennt sie den Kreislauf aus Zerstörung und Wiederaufbau, Aussichtslosigkeit und  Orientierung.

Die Premiere unter der Regie von Anette Pullen am 24.02. wird gleichzeitig Uraufführung dieses Auftragswerks von Wolfram Lotz sein.
Der Autor, geboren 1981 in Hamburg, studiert seit 2007 Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er verfasste unter Anderem Drehbücher, Essays, Erzählungen und Gedichte. Er war Mitbegründer und -herausgeber der Literaturzeitschrift Minima und ist seit 2010 Redakteur von EDIT. Für sein Stück ‘Der große Marsch’ wurde er mit dem Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarkts 2010 sowie dem Publikumspreis ausgezeichnet. Außerdem bekommt er hierfür im Oktober 2011 den Kleist Förderpreis verliehen. Mit ‘Einige Nachrichten an das All’ wurde er zu den Werkstatttagen 2010 am Wiener Burgtheater eingeladen, bevor es im Februar 2011 am DNT Weimar zur Uraufführung gelangt.

Autor: Maxi Gade
Foto: Stephan Walzl

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