Lieber Kässpatzen statt kalten Kurzurlaub


Für Kluftinger könnte alles auch einfacher sein

02.02.2011│Volkshaus│20.00h│Volker Klüpfel und Michael Kobr│Best of Klufti

Als Kommissar hat man es nicht so einfach: Ein Mord pro Halbjahr reicht eigentlich, aber nein, manchmal wird gleich eine ganze Serie daraus. Dazu diese lästigen Zwischenfälle und unliebsamen Ermittlungspartner, während sich die Schlinge des Verbrechens weiter zuzieht. Hinterher lauert der Alltag mit einer gewaltvollen Mischung aus Gemütlichkeit und Ehe – und weiteren Ärgernissen wie etwa ein Tanzkurs oder Wasserrohrbruch.

Das Debüt des Allgäuer Autorenteams Volker Klüpfel und Michael Kobr „Milchgeld“ schaffte 2003 Platz für süddeutsche Ermittlungsmentalität in der deutschen Krimilandschaft.
Seitdem verläuft der Erfolgskurs der Ausnahmeautoren steil bergauf: Vier weitere Kriminalromane, ein Fernsehfilm und Zusatzprodukte wie etwa ein Kochbuch mit Kluftingers Lieblingsgerichten sind bisher erschienen, zudem sorgen zahlreiche Lesungen und Auftritte der Autoren selbst für den stetig wachsenden Bekanntheitsgrad des Heimatkommissars.

Sein letzter Fall, „Rauhnacht“, ist 2009 im Piper Verlag erschienen:
Zum Neujahrsbeginn bekommen Kluftinger und seine Ehefrau Erika einen Kurzurlaub im Allgäu geschenkt – ein inhaltlicher Rückverweis auf den vierten Kriminalfall „Laienspiel“. Möglichst erholsam planen die Beiden ins neue Jahr zu gehen. Dass das Ehepaar Langhammer mit von der Partie ist, stimmt Kluftinger missmutig. Fr. Langhammer ist zwar die beste Freundin von Ehefrau Erika, Hr. Langhammer kann Kluftinger allerdings getrost gestohlen bleiben.

„Watt mutt, datt mutt“, wäre die ’fremdländische’ Empfehlung an den heimatverbundenen Bayern, und so startet die Urlaubsgemeinschaft in ein turbulentes Wochenende inklusive Krimidinner und Lawinenrutsch – es kommt eben alles auf einmal. Auf diese Art von der Außenwelt abgeschnitten, gerät das organisierte Kriminalspiel, in dem alle Gäste als Schauspieler integriert sind, zum täuschend echten Krimievent. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste wirkliche Tote eingeschlossen in seinem Zimmer aufgefunden wird. Durch den Mediziner Doktor Langhammer assistiert, nimmt Kluftinger die Ermittlungen auf, befragt die anwesenden Gäste und findet heraus, dass nicht nur jeder dieser auf eigene Art mit dem Toten in Verbindung steht, sondern jeweils auch ein starkes Tatmotiv aufweist. Nun gilt es, geschickt zu kombinieren, die richtigen Schlüsse zu ziehen und nebenbei gegenüber dem verhassten Doktor Langhammer aufzutrumpfen, der neben dem Routinekommissar Kluftinger einfach zurückstecken muss.

Konzentriert und aufs Wesentliche bedacht widmet sich dieser Band weniger dem Klamauk, denn dem klassischen Kriminalroman: Der Leser fühlt sich stark an Agatha Christie erinnert, wenn er als Zuschauer in diese abgeschlossene Situation mit überschaubarer Personenkonstellation eintritt. Die Spitzfindigkeiten und Sticheleien zwischen den Kontrahenten Kluftinger und Langhammer lockern die Ermittlungen natürlich auf, auch darf sich der Leser wieder auf nette Zwischenfälle und alltägliche Komiksituationen einstellen – Klufti bleibt eben Klufti.

Egal ob reger Leser der Romanreihe, ob Neueinsteiger, Krimifreund oder Allgäufan – allen Interessierten sei die Lesung der Autoren Volker Klüpfl und Michael Kobr ans Herz gelegt. Lesung? Ach was! Zwischen Comedy und Schwank, Plauderei und schriftstellerischer Kostprobe tarieren sich die Leseveranstaltungen des Autorenteams aus und versprechen einen rundherum unterhaltsamen Abend. Priml!

Autor: Maxi Gade
Foto: Peter von Felbert

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