Gut gekauft – gern gekauft

Eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Gera beleuchtet Werbegrafik und Verpackungskultur der DDR zwischen 1950 und 1970.

Das waren noch Zeiten: Als das ’Mux-Männchen’ noch Mücken meuchelte, der ’Minol-Pirol’ den Trabi betankte, der grüne ’Badusan-Fisch’ durch koniferenduftschwangere Schaumberge schwamm und die ’Fewa-Johanna’ feine Wäsche fein sauber wusch.


Replik der FEWA-Johanna von Jan Niesler, 1997, Leihgabe Industriemuseum Chemnitz (Foto: Christina Bitzke)

Zu solcherart amüsanter Zeitreise in die Welt der Werbefiguren, Werbegrafik und Verpackungskultur der DDR zwischen 1950 und 1970 lädt noch bis zum 20. Mai 2013 das Museum für Angewandte Kunst in Gera ein. Unter dem Titel „Zwischen Johanna und Klementine“ präsentiert die Ausstellung rund 250 Exponate von über 20 Gebrauchsgrafikern und bietet damit einen interessanten Über- und Rückblick auf ein spezifisches Gebiet der angewandten Kunst und Alltagskultur. Sie vereint originalgrafische Entwürfe, Werbemaskottchen und gedruckte Reklame und dokumentiert so die Vielfalt grafischer Gestaltungen im Kontext der Zeit aus den Bereichen Drogerie, Lebens- und Genussmittel, Textilien, Haushalt und Technik.


Blick in die Ausstellung (Foto: Christina Bitzke)

Insbesondere in den 1960er Jahren nahm die Produktwerbung in der DDR noch einen relativ breiten Raum ein und popularisierte eine heile Welt, die Sehnsüchte weckte, Ladenhüter anpries, Leitbilder transportierte oder erzieherisch wirken sollte. Slogans wie „Fisch auf jeden Tisch“, „Baden mit Ba du san“ oder „Iss ein Ei mehr“ klingen bis heute nach. Zugleich bezeugen die gebrauchsgrafischen Arbeiten jener Jahre einen zum Teil hohen gestalterischen Anspruch, handwerkliches Können, Kreativität und Experimentierfreude.


Auch in solchen Tüten trugen DDR-Bürger zwischen 1950 und 1970 ihren Einkauf nach Hause (Foto: Uschi Lenk)

Die Exposition basiert neben Leihgaben vor allem auf dem umfangreichen gebrauchsgrafischen Bestand des Museums, zu dem auch der Nachlass des Jenaer Gebrauchsgrafikers Werner Liebscher zählt. Gezeigt werden von ihm Produktbroschüren für Lochkartenmaschinen und elektronische Abrechnungsautomaten, die er gleichfalls in den 1960er Jahren für das Büromaschinenwerk Sömmerda entwarf.

Und weil ein Einkauf ohne Tüte buchstäblich untragbar ist, wird die Ausstellung durch eine Schau von zirka 100 Exemplaren dieses praktischen Verpackungsmittels komplettiert. Neben der einfachen braunen oder grauen DDR-Papiertüte, die trotz der griffigen Formel „Gut gekauft – Gern gekauft“ nur wenig Charme zu versprühen vermochte, ist eine in dieser Dichte selten gesehene, aber ansehnliche Tüten-Vielfalt zu bestaunen – von der Trichtertüte, dem Flach-Kreuzboden- und Klotzbodenbeutel bis hin zur teils aufwendig bemusterten Tragetasche. Auf einer solchen warb sachlich-nüchtern auch das Zeiss-Kombinat für Feldstecher aus Jena.

„Zwischen Johanna und Klementine“
Werbegrafik in der DDR von 1950 bis 1970
Noch bis 20. Mai 2013
Museum für Angewandte Kunst Gera, Greizer Straße 37
Telefon: 0365 / 8381430

Text: Andreas Klossek

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