Free Jazz für die Freiheit


Lesung und Konzert in der Jenaer ‘kurz&klein Kunstbühne’

26.05.2011│20.00h│kurz&klein Kunstbühne│ Buchpräsentation “Woodstock am Karpfenteich” + Konzert Günther “Baby“ Sommer  & Ulli Gumpert

Die Kleinstadt Peitz in der Niederlausitz ist berühmt für seine Karpfenzucht – und für die Veranstaltungen der jazzwerkstatt Peitz, die in den 70er- und 80er-Jahren junge Menschen anzog und Jazzmusiker aus aller Welt in der DDR eine Bühne gab. Das Buch „Woodstock am Karpfenteich“ reflektiert die Ereignisse in einem von Ulli Blobel edierten Sammelband. Blobel hatte vor vierzig Jahren in Peitz das erste Jazzfestival der DDR organisiert und damit einen „Höhepunkt der Jugend“ in Ostdeutschland geschaffen. Die massenwirksamen Aktivitäten der jazzwerkstatt sowie die freiheitliche Orientierung aller dort Zusammentreffenden wurden von den Kulturbehörden der DDR natürlich kritisch beäugt – schließlich 1982 verboten.

Exklusiv in Jena wird der Autor und Journalist Christoph Dieckmann, auf eigene Art mit Jena und dessen Fußballpräsenz verbunden, aus „Woodstock am Karpfenteich“ lesen.

Im Anschluss daran betreten zwei Musiker die Bühne, die mit dabei waren: Die „Urväter der frei improvisierten Musik in der DDR“, so liest man, haben sich im Gumpert-Sommer-Duo wieder zusammengefunden und bereisen in dieser eigenwilligen, aber bekannten Formation nun schon einige Zeit die Republik. Mit ihrer ersten Duo CD ‘Das Donnernde Leben’ ging das Duo 2010 ganzjährig auf Tour.

Nach über 20 Jahren setzen Gumpert und Sommer ihre musikalische Unterhaltung über Themen von gestern und heute fort. Für lange Zeit konnte man die beiden Musiker zusammen nur im “Zentralquartett”, ansonsten in unterschiedlichsten Formationen getrennt voneinander erleben. Umso besser, dass sich Piano und Drums, Gumpert und Sommer, nach nunmehr vier Jahrzehnten jazziger Zusammenarbeit einer neuen musikalischen Produktion gewidmet haben.

Eigenwillig, der Gumpert. Einzelgänger, dabei einer, der durchaus in der Lage ist, Kollektivgeist zu entfalten. Mit ihm regiert das wirkungsvoll koordinierte, mitunter auch spontan inszenierte Mit- und Gegeneinander der Charaktere.

Geboren und aufgewachsen im Thüringischen, begann er seine Studien in Weimar und ging dann nach Berlin, spielte mit Tanzbands und fand Zugang zur Band von Klaus Lenz. Das, sagte er rückblickend, war die eigentliche Schule, wichtiger als die gleichfalls besuchte Musikhochschule „Hanns Eisler“.

An seiner Seite: Günter Baby Sommer, einer der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen europäischen Jazz, welcher mit einem hoch individualisierten Schlaginstrumentarium eine unverwechselbare musikalische Sprache entwickelt hat.
Sommer, in Dresden geboren, studierte dort an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“. Seine musikalischen Beiträge zu den wichtigsten Jazzgruppen der DDR wie dem Ernst-Ludwig-Petrowksy-Trio, dem Zentralquartett und der Ulrich Gumpert Workshopband ermöglichten Sommer den Einstieg in die internationale Szene. So arbeite Sommer nicht nur im Trio mit Wadada Leo Smith und Peter Kowald sondern traf mit weiteren wichtigen Musikern wie Peter Brötzmann, Fred van Hove, Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Cecil Taylor zusammen. Sommers Solospiel sensibilisierte ihn für Kollaborationen mit Schriftstellern wie Günter Grass.

Das Publikum erwartet Neuarrangiertes und Bewährtes im Sturzflug durch die Stile des Jazz, begleitet, angeregt, vielmehr –getrieben durch zwei Musiker, die nach so langer Zeit etwas zu erzählen haben.

Gut zu wissen, gut zu hören – wer gut dabei sein möchte, kann unter 03641- 221490 bei der ‘kurz&klein Kunstbühne‘ vorbestellen.

Autor: Maxi Gade
Foto: Peter Rytz

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