Die Kunst der Beleidigung


…wie “die Zeit” einst titelte: Harry Rowohlt im Volkshaus

„Schreiben Sie verdammt nochmal endlich mal wieder einen Corner. Was soll denn die Scheiße?”, schrieb Axel aus St. Pauli an Harry Rowohlt in der Pooh-losen Phase.  Jetzt kann er wieder ganz beruhigt sein. Treue Fans und auch Neuentdecker können jubeln: „Pooh’s Corner” gibt‘s jetzt handlich in zwei Bänden. In der ZEIT-Kolumne meldet sich Harry Rowohlt zu Wort mit Meinungen und Deinungen eines Bären von sehr geringem Verstand. Am 18.01.2011 um 20Uhr liest der derzeit wohl kompetenteste, ach was, begnadetste Rezitator im Volkshaus aus seiner Kolumnensammlung, seinen nicht weggeschmissenen Briefen und erzählt darüber hinaus Anekdoten zu allen relevanten Themen der letzten zehn Jahre.

Da liegt auch schon der eigentlich Schwerpunkt, das Hauptohrenmerk, die Besonderheit eines Rowohlt’schen Sprechkunstabends. Die Zeit zum Erzählen bringt Rowohlt in jede Lesung mit ein, die  „Erzählung“ oder „Frotzelei“, „Plausch“ und „Sprachakrobatik“ gleichermaßen heißen kann. Nicht immer kommt die Umwelt gut dabei weg, aber darum geht es nicht. Zusammen lachen, auch über sich, darf man lang und ausgiebig.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass Harry Rowohlt als ein Meister der Abschweifung und der Pause bezeichnet wird. Er hat, nicht minder meisterhaft, die Parodie, die sprachliche Finesse, die originelle Sicht auf Mensch und Welt zum Stilprinzip erhoben. Zu diesem Zwecke beherrscht er alle Tonlagen und Dialekte. Er ist neben Autor, Kritiker, Übersetzer, Schauspieler eben auch Sprechkünstler und spätestens, wenn der erste Schwank erzählt oder das erste Schriftstück gelesen ist, wird der Zuschauer davon überzeugt sein, dass es von diesen Stimmen nur wenige innerhalb des deutschsprachigen Raumes geben dürfte. Hinter der Stimme steht gelebte Erfahrung samt sonorem, resolutem, etwas zotteligem Urtypimage.

Inwiefern dieses Image zu Recht besteht, lässt sich nur erproben. Harry Rowohlt gibt reichlich Gelegenheit und reist durch Groß- und Kleinstadt. Nachdem er das letzte Mal in Weimar gastierte, kann  nun in Jena der berühmt gewordenen Ausschweifung Raum gegeben werden.

Es ist zu empfehlen, Tickets zeitnah zu kaufen – schließlich hat sich Harry Rowohlt mitsamt seiner Lieblingscharaktere und Erzählstimmen bereits ein wenig umgetan und ist bekannt wie ein bunter Hund.

Näheres dazu gibt es unter www.jena.de im Kulturkalender oder im Vorverkauf der Jenaer Tourist-Information.

Autor: Maxi Gade
Foto: Martin Kunze

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