Die Erfinder der Langsamkeit

Bohren & der Club of Gore beehren Jena! Ohne neues Album zwar, dafür mit dem etwas anderem Jazzkonzert: am 16. März im Theaterhaus. Wer hat Angst im Dunkeln?

1988 finden sich die Schulfreunde Thorsten Benning (Schlagzeug), Robin Rodenberg (Bass), Reiner Henseleit (Gitarre) und Morten Gass (Piano/Orgel) zum gemeinsamen Musizieren zusammen. 1992 erhält die Formation den Namen „Bohren“, ein Jahr später erweitert man diesen in Anlehnung an die niederländische Instrumentalband „Gore“ um „& der Club of Gore“.


„Bohren klingen als würden sie sich im Dunkeln bewegen, Arme ausgestreckt, Augen geöffnet, auf der Suche nach dem Lichtschalter.“

Nach einer ersten EP erscheinen zwei Alben, bevor sich Reiner Henseleit und mit ihm die Gitarre unwiederbringlich aus der Musik Bohrens verabschiedet. 1997 schließt sich dafür Saxophonist und Pianist Christoph Clöser der Gruppe an und komplettiert die bis heute in dieser Konstellation bestehenden „Bohren & der Club Of Gore“.

Drei weitere Alben werden veröffentlicht, bevor mit „Dolores“ die erste CD beim einflussreichen belgischen Label PIAS (u. a. Mogwai, Sigur Ros) erscheint. Die internationale Aufmerksamkeit wächst – mit „Mitleid Lady“ wird 2009 ein Stück veröffentlicht, das an einem Tag aufgenommen und gemischt, im Rahmen einer limitierten Serie beim Londoner Label Southern erscheint. Die letzte Veröffentlichung „Beileid“, bei der Mike Patton als Gastsänger auftritt, datiert aus dem Jahr 2011.

Wo immer wieder Bands bestehende Genres scheinbar neu erfinden, haben Bohren & der Club Of Gore genau das geschafft. Musik ersonnen, die es in der Form zum Zeitpunkt des Erscheinens noch nicht gab: Musik, die sich schleichend, fast quälend fortbewegt, die unter Einsatz der verschiedenen Instrumente hin und wieder punktuell ’Akzente’ setzt und trotzdem nichts von ihrer Langsamkeit verliert, diese dadurch vielmehr noch zusätzlich unterstreicht. Dabei bleiben die Songs zwar stark reduziert, bestehen aber, wenn man der Band Glauben schenken darf, nach wie vor aus Melodien, Strophen und Refrains – die sich gekonnt verstecken.

Sucht man nach Referenzen und Stichworten, um diese einzigartige Band zu verorten, landet man unweigerlich im Bereich der Filmmusik, vorzugsweise im surrealen Werk eines David Lynch. Im nächsten Augenblick fällt häufig der Begriff ’Jazz’ – doch übersieht man dabei glatt, dass Bohren ohne das improvisierende Element auskommt. Dennoch bekommt man sie mit ’Horror-Jazz’ oder ’doom ridden jazz music’ schon gut zu fassen. Mehr als empfehlenswert ist allerdings, sich selbst ein Bild zu machen – am 16. März im Theaterhaus.

VVK ohne Gebühr in der Jenaer Bücherstube am Johannistor sowie in der Jena Tourist-Information und im Woodstock Recordstore in Erfurt.

Bohren & der Club Of Gore + Support: Novo Line
16.03.2013, Theaterhaus Jena, Hauptbühne, Sitzkonzert
Einlass 20 Uhr, Beginn 20:30 Uhr

Text: Stefan Haake
Bild: Bohren & der Club of Gore

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