Der Zornige Engel hat debattiert – Podiumsdiskussion am 05.12.2011 zum ‘aspekte’-Beitrag

Große Wellen schlug vor ein paar Wochen ein ‘aspekte’-Beitrag im ZDF über die Stadt Jena, in welchem ein negatives Bild der Stadt gezeichnet wurde. Nach zahlreichen offenen Briefen, Unterschriftenaktionen und Petitionen gegen den ausgestrahlten Fernsehbericht trafen sich nun Befürworter und Gegner zum gemeinsamen Schlagabtausch.

Auf Initiative des ZDF fand am gestrigen Abend im Theaterhaus eine Podiumsdiskussion zum Thema statt. Vor vollem Haus und gut weiteren 100 Zuhörern im Arena-Rund, die die Debatte während des ersten Schneetreibens des Jahres via Live-Übertragung verfolgten, wurde nicht nur der Fernsehbeitrag kritisch beleuchtet, sondern es wurde auch tiefer nachgefragt – wo liegen die Ursachen des Rechtsextremismus, was kann man dagegen tun?

Das Podium war gut gefüllt. Insgesamt sieben Diskutanten kamen zu Wort: ‘aspekte’-Chef Christhardt Läpple, Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter, Universitätsprofessor Dr. Klaus Dörre, Katharina König von der JG Stadtmitte, der Winzerlaer Sozialarbeiter Thomas „Kaktus“ Grund sowie Christoph Ellinghaus vom Aktionsnetzwerk gegen Rechts und Marco Guerzoni vom Integrationsbeirat der Stadt Jena stellten sich den Fragen des Moderators Jonas Zipf, seines Zeichens Dramaturg am hiesigen Theaterhaus.

Die Debatte wurde größtenteils sachlich geführt und ging am Ende weit über den eigentlichen Aufreger hinaus. Doch zunächst wurde sich mit eben diesem befasst. ‘Aspekte’-Chef Christhardt Läpple gestand hierbei ein, die Aktionen – und damit auch die Erfolge – der Stadt Jena im Kampf gegen Rechts im ausgestrahlten Bericht nicht benannt zu haben.

Soziologieprofessor Dr. Klaus Dörre empfand den Beitrag hingegen als „westdeutsche Abwertungskultur“ und Oberbürgermeister Albrecht Schröter gab ganz offen zu, in die Diskussion auch seine eigenen Emotionen hineingeworfen zu haben. Es war also spannend.

Jedoch mischten sich nicht nur kritische Stimmen gegen den Beitrag in die Diskussion, Katharina König und Sozialarbeiter „Kaktus“ Grund sprachen durchaus von einer abgebildeten Realität, vor der man die Augen nicht verschließen darf.

Glücklicherweise blieben die Podiumsteilnehmer nicht nur am Beitrag des ZDF hängen, sondern sprachen ebenso über die Anfänge der rechten Szene in der Stadt als auch über die verschiedenen Aktionen im Kampf gegen Rechts im Laufe der letzten Jahre. Dazu wurden sowohl Statistiken als auch eigene Erfahrungen in die Diskussion eingebracht.

Naturgemäß nimmt ein solcher Abend dann am meisten Fahrt auf, wenn es Wortmeldungen aus dem Publikum gibt – so auch gestern. Zahlreiche Redebeiträge von verschiedenen Initiativen und Vereinen, Journalisten, Schauspielern sowie dem Stadtjugendpfarrer Lothar König und Zuschauern der Podiumsdiskussion fanden Gehör. Dann wurde es auch emotional und hätte wahrscheinlich noch ewig so weitergehen können – zu vielschichtig waren die Anliegen, die vorgetragen wurden. Von Alltagsrassismus bis hin zu fehlenden Geldern reichten die Redebeiträge, die eigentlich alle eine eigene Diskussion verdient haben.

Natürlich war es nicht möglich, am gestrigen Abend einen gemeinsamen Konsens zum gesendeten Beitrag zu finden. Alle waren sich jedoch einig, den Kampf gegen den rechten Irrsinn weiterzuführen. Es wurde – auch mit Hilfe des ‘aspekte’-Beitrags – eine Diskussion angeregt – diese gilt es nun weiterzuführen und dabei nicht so schnell wieder müde zu werden. „Von Jena geht Ermutigung im Kampf gegen Rechts in die ganze Republik aus“, fasste es Oberbürgermeister Albrecht Schröter zusammen. Es ist zu hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleibt!

Die komplette Fernsehübertragung der Podiumsdiskussion ist online abrufbar unter: www.jenatv.de/politik/Podiumsdiskussion_Zorniger_Engel_debattiert-6422.html

Autor: Michael Stocker

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