Der Mann der „Lili Marleen“ schrieb


Zum heutigen 100. Geburtstag von Norbert Schütz.

Kennen Sie Norbert Schütz? Wir meinen jetzt nicht ihren Nachbarn oder Arbeitskollegen sondern einen deutschen Komponisten und Dirigenten gleichermaßen. Wegen seiner Kampf- und Soldatenlieder wurde Norbert Schultze aber immer wieder als Nazi-Propagandist angeprangert. Die Kritik galt auch der Musik für den letzten deutschen Durchhaltefilm “Kolberg” für den Schultze ebenfalls die Musik komponiert hatte. Sein späterer lapidarer Kommentar zu diesen Vorfällen war: „Wissen Sie, ich war damals im besten Soldatenalter. So um die 30. Für mich war die Alternative: komponieren oder krepieren. Da habe ich mich für das Erstere entschieden.“

Im Jahr 1938 schrieb Schultze zu dem Gedicht „Lili Marleen“ aus dem Bändchen „Die kleine Hafenorgel“ von Hans Leip eine Melodie. Die Schallplattenaufnahmen, zunächst mit einem männlichen Sänger, 1939 dann mit der Sängerin Lale Andersen wurden zunächst wenig verkauft. Lale Andersen hatte das Lied in der melancholischeren Fassung von Rudolf Zink schon seit einiger Zeit in ihren Bühnenprogrammen gesungen, als Norbert Schultze ihr seine Version zur Aufnahme anbot. Obwohl Frau Andersen selbst sich ihr Leben lang wenig für die damals neue Fassung erwärmen konnte, war Schultze von der von ihr vertonten Neuaufnahme angetan. Die Andersen konnte keinen rechten Gefallen an der für sie ungewohnten und ihrer Meinung nach unpassenden Melodie finden, während Schultze nie wirklich zufrieden mit ihren Betonungen, dem marschartigen Rhythmus und dem Männerchor im Hintergrund war. Trotz dieser Unstimmigkeiten, für die zeitlebens kein Konsens gefunden werden konnte, wurde diese Version, die 1938 in den Berliner Electrola-Studios aufgenommen worden war, schließlich auf Schellackplatte veröffentlicht.

Als der deutsche Soldatensender Belgrad 1941 die Aufnahme mit der Sängerin einige Male zum Programmschluss aufgelegt hatte, zeigten Hörerzuschriften eine verstärkte lebhafte Nachfrage. Der vom Militärsignal “Zapfenstreich” eingeleitete, im Marschtakt vorgetragene Text über Befehlszwang, Abschied und Grab traf die innere Stimmung von Millionen Soldaten aller damals kämpfenden Armeen auf beiden Seiten der Fronten und wurde in etwa fünfzig Sprachen zu einem weltweiten kulturellen “Leitfossil” des Zweiten Weltkrieges. Es war der erste deutsche Millionenseller.

Norbert Schultze wurde im Rahmen der Entnazifizierung als “Mitläufer” eingestuft, d.h. nach Zahlung einer “Verfahrensgebühr”, bekam er wieder eine sofortige Arbeitserlaubnis. Er wurde 1961 zum Präsidenten des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und -komponisten gewählt, von 1973 bis 1991 war er Vorstandsmitglied im Deutschen Komponistenverband. Bis 1996 begleitete er auch Ämter im GEMA-Aufsichtsrat. Er starb 2002. Da seine Lieder bis zum heutigen Tag der GEMA-Gebührenordnung unterliegen, hat Schultze kurz vor seinem Tode testamentarisch verfügt, dass sämtliche Tantiemen seiner von 1933 bis 1945 entstandenen Werke, dem Deutschen Roten Kreuz zufließen. Dies gilt auch bis heute für den Titel „Lili Marleen“.

Autor: Florian Berthold
Video: Youtube.com

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