7. Mai 2013 | Interview

Mit sportfreundlichsten Grüßen…

Von Stadtmagazin 07

Die Sportfreunde Stiller sind wieder da, und das mit einer neuen Platte im Gepäck, die den Namen „New York, Rio, Rosenheim“ trägt. Am 22. April waren sie zu Gast in Jena und spielten im ausverkauften F-Haus vor euphorischem Publikum, welches sich sowohl an älteren Hits als auch an brandneuen Songs erfreuen durfte. Vor dem Konzert hatte Stadtmagazin07 die Möglichkeit, mit Bassist Rüdiger „Rüde“ Linhof über die Zeit der Pause und ihr jetziges Album zu sprechen.


Die Sportfreunde Stiller: Peter, Rüde, Florian

Nach sechs Jahren ohne Veröffentlichung bringt ihr nun Ende Mai euer neues Album „New York, Rio, Rosenheim“ heraus. Wie fühlt es sich an, wieder mit ganz neuen Songs im Gepäck aufzutreten?
Rüdiger Linhof: Für uns hat es sich gar nicht so angefühlt, als hätten wir sechs Jahre Pause gemacht. 2009 haben wir ja das „MTV Unplugged“-Album herausgebracht, in dem sehr viel Arbeit steckte. Im Anschluss daran waren wir auch noch ziemlich viel auf Tour. Außerdem hat jeder von uns eine Menge anderer Sachen gemacht. Flo z.B. hat ein Buch geschrieben. Ich habe eine Platte mit „Fiva Mc und dem Phantomorchester“ aufgenommen. 2011 war dann das erste Mal ein Jahr Pause. Jetzt fühlt es sich super an, wir sind wahnsinnig happy mit der Platte. Wir hatten einen guten Lauf beim Liederschreiben und freuen uns total auf die Konzerte im Sommer. Aber auch die kleinen Konzerte momentan sind total toll. Wir spielen ca. 6 bis 7 neue Lieder, die super ins Set reinpassen und sehr viel Spaß machen.

Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?
Rüde: Das erste Mal haben wir Lieder im Oktober 2011 vorgestellt, von denen haben wir aber wieder ziemlich viele verworfen. Im Februar 2012 ging es dann richtig los – inspiriert auf einer Hütte in den Bergen, mit direktem Zugang zur Skipiste.

Das klingt idyllisch. Wer schreibt denn bei euch die Texte?
Rüde: Jeder liefert, aber zu unterschiedlichen Anteilen. Jeder äußert sich, muss Vorschläge bringen oder Alternativen nennen. Auch wenn die Alternative erstmal nur eine schlecht formulierte Idee ist, kann sie einen auf neue Wege bringen. Bei manchen Liedern stand der Text bereits komplett, z.B. bei „Festungen und Burgen“. Bei anderen Liedern wie „Hymne auf dich“, entwickelte er sich über Ideen von jedem Einzelnen, sodass der Text zum Schluss von allen dreien kam.

Du erwähntest bereits eure unterschiedlichen Projekte, die ihr neben den Sportfreunden Stiller hattet bzw. habt: Flo als Mitglied der Band „Harmful“ und Autor zweier Bücher, Du als Teil des „Phantomorchesters“ und Peter als Teil der Band „TipTop“. Gab es jemals die Angst oder den Gedanken, dass es mit den Sportfreunden Stiller mal nicht weitergehen könnte?
Rüde: Es gab schon eine Zeit, in der wir nicht wussten, wie wir anfangen sollten. Es standen viele Fragen im Raum, sodass wir beschlossen, uns alle mal eine Zeit lang in Ruhe zu lassen und zu sehen, was passiert. Das war auch cool, denn so hatte jeder die Möglichkeit, auf sich selbst zu schauen. Nach diesem Jahr haben wir uns dann alle wieder neu gefunden.

Wie seid ihr auf den Albumtitel „New York, Rio, Rosenheim“ gekommen?
Rüde: Zunächst hatten wir ungefähr 196 total miese Alternativen. (lacht) Dann kam aber doch so ein Lied um die Ecke, das uns echt gut gefiel: „New York, Rio, Rosenheim“. Wir dachten, dass es ein gutes Titellied ist, weil uns der Inhalt so gut gefällt. Es behandelt Angstthemen in der Gesellschaft: Egal, ob Finanzkrise oder Europakrise… man hat nur noch das Gefühl, dass es übermorgen vorbei ist – mir geht das zumindest so, wenn ich die Nachrichten sehe. Das Lied fordert dazu auf, dass sich die Leute, die ein Strahlen und eine positive Haltung in ihrem Leben haben, lauter zu Wort melden sollten – von New York über Rio bis nach Rosenheim.

Wie würdest Du euer neues Album beschreiben? Unterscheidet es sich in bestimmten Punkten von euren vorherigen Alben oder ist es eine Platte mit typischem Sportfreunde Stiller-Charakter?
Rüde: Ich glaube schon, dass es irgendwo typisch ist, aber dennoch sowohl textlich als auch musikalisch eine größere Bandbreite aufweist. Es geht wieder weg vom Unplugged und hin zum Dynamischen, so wie früher. Textlich reicht es vom totalen Feierlied („Unter unten“) bis hin zu „Festungen und Burgen“, wo es um das Thema Schmerz geht und darum, wie schwer es ist, über Verletzungen zu sprechen. Das sind wichtige Pole, in denen wir uns auch wiederfinden: als Typen, die einerseits durchaus ernst und klar durchs Leben gehen, andererseits sehr gerne feiern und das Leben wahnsinnig genießen.

Woher habt ihr die Inspirationen für die Texte genommen?
Rüde: Das meiste sind Beobachtungen, Dinge, von denen man liest, die man selber erlebt hat oder die einem Freunde erzählen. Ganz viele Texte haben eine persönliche Struktur wie z.B. „Hymne auf dich“. Dieser Text erzählt davon, dass man so viel Zeit damit verbringt, mit sich zu hadern, anstatt auch mal zu sagen, dass es total cool ist, was man da gerade macht. Es ist so nervig – man schaut immer auf das, was einem fehlt und feiert zu wenig das, was man hat.

Ist das auch etwas, woraus ihr als Band Kraft schöpft – zurückzublicken und euch auch mal gelegentlich auf die Schulter zu klopfen?
Rüde: Vielleicht ist es in dem Lied nicht unmittelbar auf die Band bezogen, sondern eher auf das Persönliche. Das kann sich auf alles beziehen, was man so macht. Aber klar bin ich auch stolz auf die Band. Wenn ich zurückschaue – uns gibt es seit mittlerweile 17 Jahren – dann finde ich es toll, dass ich so frei meine Ideen ausleben und mit so einer lustigen Truppe unterwegs sein kann. Aber eigentlich ist es eher eine Herzensangelegenheit – sich auch mal zuzugestehen, dass es cool ist, was man macht und wenn man das nicht so sieht, dann sollte man etwas anderes machen.

Hast Du einen Lieblingssong auf dem neuen Album?
Rüde: Ja, und zwar „Wunder fragen nicht“. Ich mag ihn, weil er so schön abgehoben und unbestimmt ist. (singt) „Das ist so eine Sache mit den Wundern, erst kommen sie nicht, dann überfallen sie dich, du brauchst dich nicht zu wundern, Wunder fragen nicht.“ Es ist ziemlich schwer zu beschreiben, wie es ist, von einer Schönheit oder Überraschung überwältigt zu werden. Das kann etwas ganz Stilles sein – auf der Wiese liegend in den Sternenhimmel zu schauen – dennoch ist es etwas Wundervolles. Ich fand es so schön, ein Lied über genau dies unbestimmt Schöne zu schreiben.

Bei dem Song „Es muss was wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“ wechselt Flo vom Schlagzeuger zum Frontmann. Wird man Flo auch in Zukunft häufiger singen hören?
Rüde: Ja, Flo muss nach vorne, der ist so ne miese Rampensau. (lacht) Es ist super gewesen auf den Festivals, als er vorne gespielt hat. Bei dem Lied geht es um einen seltsamen Charakter, der völlig eitel und von sich überzeugt eine Frau aufreißen will. Er nimmt sie dann mit heim, in der zweiten Strophe lässt dann jedoch die Frau die Sau raus, dreht den Spieß also um, was eine große Überraschung für diese Person wird.

Ein weiterer Song eures neuen Albums trägt den Namen „Wieder kein Hit“. Verarbeitet ihr darin den Druck, als erfolgreiche und in den Medien präsente Band ständig neue Hits schreiben zu müssen?
Rüde: Nein, eigentlich hat es nichts mit dem Druck des Liederschreibens zu tun, sondern mit den Pflichten, bestimmte Dinge erledigen zu müssen. Bei uns ist es vielleicht das Liederschreiben, aber Hits zu schreiben, kann man sich eh nicht vornehmen. Dieser Refrain steht mehr stellvertretend für den Gedanken, wie schön es ist, eine Pflicht auch mal sausen zu lassen. Es sich einfach mal gemütlich zu machen und auf alles zu scheißen, was von einem erwartet wird. Ein Song mit Hippie-Charakter also… (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Marlen Schernbeck

Bildrechte: Agentur

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9. Januar 2013 | Interview

Lügen lernen

Von Stadtmagazin 07

Hans Unstern war Straßenmusiker. Angeblich. Er trägt Zöpfe und Bart. Oder doch blaue Haare? Er mag keine Worte. Und liebt Interviews. Und: Hans Unstern mag das Versteckspiel. Ein Scheininterview.


Hans Unstern: Ich enttäusche euch – Ich enttäusche mich – Ich täusche euch – Ich täusche mich – Ich tausche mich – Ich tausche euch gegen mich.

Hans Unstern, Sie haben innerhalb kürzester Zeit zwei Alben und einen Gedichtband veröffentlicht. Woher ziehen Sie Ihre Inspiration?
Hans Unstern: Was soll das werden – ein Interview? Eine zwanglose Unterhaltung?

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, geben Sie für Ihr Leben gern Interviews. Können Sie diese Leidenschaft unseren Lesern kurz erklären?
Unstern: Sie können ja ohne Rücksicht auf meine Person hineinschreiben, was Ihnen einfällt, wie es Ihnen halt für den Zweck passt. Sie können schreiben, dass alles, was Sie sagen, ich gesagt hab. Ich würde es auch so machen.

Woher kommt diese Gleichgültigkeit?
Unstern: WORTE nerven. Ich meine, es ist schon alles gesagt worden. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein wirklich interessantes Gespräch geführt habe.

Das wirkt fast resignierend. Vielleicht sollten Sie ganz einfach öfter aus dem Nähkästchen plaudern.
Unstern: In früheren Interviews habe ich manchmal Privates sehr offen geäußert. Aber das waren Äußerungen, aus denen man trotzdem nichts über mich erfuhr.

Hier kommen wir also nicht weiter. Werfen wir einen Blick auf Ihren kreativen Arbeitsprozess. Gibt es so etwas wie ein Rezept für einen Hans Unstern-Song?
Unstern: Ich schreibe über lange Zeit eine bestimmte Anzahl an Seiten am Tag, und damit hat es sich. Ich wünsche mir wirkliche keine Kreativität. Es ist Akkordarbeit, und so sehe ich sie auch. Der Gedanke an Phantasie dagegen quält mich. Ich hasse ihn geradezu.

Aber Herr Unstern, Sie wollen uns doch nicht weismachen, dass Ihre Texte jeglicher Phantasie entbehren?
Unstern: Sie wollen mich dauernd entlarven. Das ist der Grund, weshalb Sie dieses Interview machen. Sie richten aus Ihrem eigenen Abgrund die Taschenlampe auf jemanden, und wenn dort nichts ist, halten Sie ihn für unseriös.

Verstehen Sie uns nicht falsch: Wir möchten Sie nicht bloßstellen. Unsere Leserschaft soll lediglich mehr über Ihre Musik erfahren können.
Unstern: Objektiv betrachtet, ist das das Einzige, was die Realität von Musik lernen kann: zu lügen.

Wie meinen Sie das?
Unstern: Nichts ist automatisch wahr. Wir betrügen sie, aber Sie wissen es!

Konzert: Hans Unstern
Di, 15.01.2013, Theaterhaus Jena, 20 Uhr
www.hansunstern.net
Kartenvorverkauf via www.gastspielreisen.com, in der Jenaer Bücherstube am Johannistor, in der Tourist-Information Jena und im Theaterhaus Jena.

Text: Anna-Sophie Heinze, Stefan Haake

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13. Oktober 2012 | Interview, Musik

Die ersehnte Rückkehr der davongeschlichenen Solidarität

Von Stadtmagazin 07


Jarle Bernhoft ist ein Sänger, Multi-Instrumentalist und Komponist aus Norwegen, der mit Hilfe seiner Loop Maschine vielfältige Sounds kreiert und damit eine einzigartige und unkonventionelle Bühnenshow liefert. Bekannt als ’Ein Mann-Band’ begeistert er das Publikum sowohl mit seiner voluminösen Stimme als auch mit unterhaltsamen Geschichten. So auch bei seinem Konzert in der KulturArena Jena, das für viele Besucher ein Highlight war. Kurz vor dem Konzert stand er dem Stadtmagazin07 für ein Interview zur Verfügung – das wir in Erinnerung an einen scheinbar schon wieder ’Ewigkeiten’ zurückliegenden Musik-Sommer hier gern mit aufnehmen.

Deine musikalische Karriere begann 1996 zunächst als Mitglied der Band „Explicit Lyrics“ und anschließend der Band „Span“. Ihr zogt nach England und hattet großen Erfolg, vor allem mit eurem Album „Mass Distraction“ (2004). Warum kam es 2005 trotzdem zur Auflösung der Band?
Bernhoft:
Ich war mir zum Schluss ziemlich unsicher mit der ganzen Sache – wie ein blinder Mann, der nicht weiß, wohin der Weg führt. Wir spielten einige Konzerte in Norwegen und vermutlich zu dem Zeitpunkt, als wir wieder zurück nach England kamen, traf ich die Entscheidung, mit der Band aufzuhören. Wir waren außerdem müde – ich glaube wir spielten in dem Jahr insgesamt über 150 Konzerte – und wahrscheinlich wurde mir das alles zu viel.

War es auch eine musikalische Entscheidung mit der Band aufzuhören? Schließlich widmest Du dich jetzt fast ausschließlich dem Soul.
Bernhoft:
Ja, zu einem großen Teil. Als wir die Band gründeten, wollte ich tief in meinem Herzen einfach nur Musiker sein. Während der vier Jahre mit „Span“ veränderte sich mein Musikgeschmack und ich hörte fast ausschließlich Soulmusik – war jedoch Sänger in einer Rockband. Ich wollte meinem Hobby mehr Platz geben.

Hast Du bestimmte musikalische Vorbilder?
Bernhoft:
Ich würde heute nicht das tun, was ich jetzt mache, wenn es nicht „Sly & The Familiy Stone“ gegeben hätte. Ich erinnere mich noch daran, als ich sie zum ersten Mal hörte. Ich stand da wie angewurzelt, so als wären meine Füße in den Boden genagelt worden. Ein enormer Kick! Als Kind hörte ich natürlich auch viel Prince und Michael Jackson. In den späten 60ern und frühen 70ern passierten so viele coole Sachen in Amerika. Eine sehr dynamische Zeit mit vielen Bürgerrechtsbewegungen, wie z.B. der Gleichberechtigung der Geschlechter. „Sly & The Family Stone“ hatten Männer und Frauen in der Band und Leute mit sowohl afrikanischer als auch europäischer Herkunft. Einfach nur großartig! Oder Lewis Taylor aus England. Er veröffentlichte einige Alben und war so eigen und klassisch zugleich, vereinte Elemente von Soulmusik mit früher Britischer Popmusik. Ein für mich sehr inspirierender und einflussreicher Charakter.

Jetzt bist Du bekannt als ’Ein Mann-Band’. Genießt Du es alleine zu sein, oder vermisst Du auch manchmal die Band?
Bernhoft:
Das tue ich. Aber diesen Sommer konnte ich meine neue Band mit auf Tour in Norwegen nehmen. Es ist wie ein Solokünstler-Projekt mit einer Backing-Band. Wir sind insgesamt 12 Leute auf der Bühne. Mich faszinieren große Bands! Am liebsten würde ich zur Hälfte Konzerte mit der Band und zur anderen Hälfte Solo-Konzerte spielen. Ich denke, dass das Spielen mit der Band einen besseren Musiker aus mir macht. Die Kommunikation mit dem Publikum bei Solo-Konzerten ist jedoch fantastisch.

Wenn Du alleine auf der Bühne bist, geschieht alles live?
Bernhoft:
Das ist das Dogma der ganzen Sache, dass alles genau in dem Augenblick auf der Bühne geschehen soll. Ich nehme während des Konzerts viele Sachen mit meiner Loop-Maschine auf und kann dann mehrere Schichten darüber hinzufügen. Also passiert es auch, dass ein Auftritt ganz anders ist als der nächste.

Gibt es dennoch einen Plan für den Abend, oder lässt Du viel aus Zufall entstehen?
Bernhoft:
Beides. Es ist fast so, dass ich plane, nichts zu planen. Es ist etwas, das sehr eng mit dem Publikum verbunden ist. Wenn ich etwas ins Publikum sende und dort etwas vor sich geht – die Leute klatschen oder erhöhen das Tempo – dann finde ich das manchmal cool und schließe mich dem an.

Was für eine Botschaft möchtest Du den Leuten mit deinem Album „Solidarity Breaks“ vermitteln?
Bernhoft:
Hauptsächlich, dass Solidarität eine gute Sache ist (lacht). Solidarität war ein großes politisches Thema in den 80ern, aber seitdem hat sie immer mehr an Stellenwert verloren. Sie verschwand ganz leise. Norwegen ist ein Land mit viel Geld, einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote und insgesamt wenig Problemen. Dann fahre ich in andere Länder, z.B. nach Spanien oder Griechenland und sehe, dass dort etwas sehr falsch zu laufen scheint. Ich glaube, wenn wir an unsere Grenzen gestoßen werden, müssen wir herausfinden, ob wir nur mit den Fingern auf die vermeintlich Schuldigen zeigen, oder wir versuchen, gemeinsam etwas gegen die Probleme zu tun. Und ich glaube, dass zu viele Leute nur mit den Fingern auf andere zeigen. Das passiert immer und immer wieder. Ich finde es beängstigend, dass die Menschen nicht aus ihrer eigenen Geschichte lernen können.

Neben deinen zwei Studio-Alben “Ceramik City Chronicles“ (2008) und „Solidarity Breaks“(2011) hast Du bisher auch zwei Live-Alben veröffentlicht. Was hat es damit auf sich?
Bernhoft:
Ich habe die Vorstellung, nach jedem Studio-Album auch ein Live-Album zu veröffentlichen. Das erste Live-Album „1:Man 2:Band“ beinhaltet Solo-Songs und Songs mit der Band nach dem ersten Studio-Album. Das zweite Live-Album „Walk With Me“ ist eine Live-Aufnahme von zwei Konzerten, die ich in Oslo mit einem Sinfonieorchester zusammen gespielt habe. Es sind hauptsächlich Songs von „Solidarity Breaks“ und zusätzlich vier neue Songs darauf zu hören.

Hast Du bestimmte Ziele, die Du erreichen möchtest?
Bernhoft:
Kein endgültiges Ziel. Sehr langweilig – in etwa das, was Fußballtrainer sagen: Immer auf das nächste Match fokussieren. Ich glaube, dass ich wahrscheinlich mal große Ziele hatte, aber irgendwann fing ich an, mich auf die kleineren Dinge zu fokussieren. Mein einziger Wunsch ist es vor Leuten zu spielen, egal ob in einem großen Club oder in einem Wohnzimmer. Ich glaube nicht, dass die Leute einen Künstler in einem Club spielen sehen wollen, der eigentlich viel lieber in einem Stadium spielen würde. Er würde wahrscheinlich keine gute Show abliefern, weil er auf das nächst Größere wartet. Stell dir vor, du bist auf einem Date und die Person, die du datest, schreibt mit seinem nächsten Date (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Marlen Schernbeck
Foto: www.smile-shoots.de

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10. September 2012 | Interview, Musik

Mit deutlichem Hang zum Wasser

Von Stadtmagazin 07


Pentatones ist eine Band aus Leipzig, die sich aus den vier Mitgliedern Hannes Waldschütz (Kontrabass/Synthesizer), ’Le Schnigg’ aka Julian Hetzel (Beats/Livesampling/Electronics), Albrecht Ziepert (Piano/Synthesizer) und der Sängerin Delhia de France (Text, Livesampling) zusammensetzt. Bekannt sind sie sowohl für ihre vielfältige elektronische Musik als auch für ihre künstlerische und zum Teil audiovisuelle Bühnenperformance.

Stadtmagazin07 hatte die Möglichkeit mit der Sängerin Delhia de France über ihr Album „Devil’s Hand“, den Stellenwert von Kunst in ihrem Gesamtkonzept, sowie die Zukunftspläne der Band zu sprechen.

Seit wann gibt es Pentatones und wie habt ihr euch eigentlich gefunden?
Delhia: Die beiden Cousins Hannes und Schnigg machen bereits seit Ewigkeiten zusammen Musik und haben sich damals schon Pentatones genannt. Albrecht und ich stammen beide aus dem Dunstkreis des Jenaer Labels „Freude am Tanzen“ und hatten damals ein gemeinsames Bandprojekt. Schnigg habe ich im Studium in Weimar kennengelernt. Es hat sich dann recht schnell ergeben, dass wir alle vier zusammen Musik gemacht haben. Das war 2006.

Der Sound eurer Musik ist sehr vielfältig und reicht von düsteren Klanglandschaften bis hin zu poppigen Melodien. Setzt ihr Kontraste als bewusstes Stilmittel ein?
Delhia: Ja, Kontraste wirken interessant und lebendig. Wir haben einen gewissen Hang zur Melancholie, der aber immer wieder aufgebrochen wird durch strahlende Momente. Wir sind alle mit einem ähnlichen musikalischen Background aufgewachsen und haben viel Hip Hop gehört, was man vielleicht auch am Groove merkt. Dennoch hat es eine Weile gedauert, bis wir einen gemeinsamen Sound gefunden haben. Das „Devil‘s Hand“-Album lunzt in verschiedene Ecken rein, macht mal hier und mal dort eine Tür auf. Ich glaube das nächste Album wird eindeutiger.

Wie kamt ihr auf den Albumtitel „Devil’s Hand“?
Delhia: Über den Titel haben wir lange diskutiert, unter anderem darüber, ob er zu religiös klingt, obwohl der Song „Devil’s Hand“ ja an sich gar nichts mit Religion zu tun hat. Wir fanden letzten Endes, dass es der stärkste Song der Platte ist und da er auch als erste Single ausgekoppelt wurde, haben wir dann auch das Album so genannt. Außerdem gefiel uns der Klang, da er sehr ausdrucksstark und prägnant ist.

Geht es inhaltlich in eine düstere Richtung?
Delhia: Nein, eigentlich nicht. Ich selbst empfinde den Titel „Devil’s Hand“ gar nicht als düster. Es kann ja vieles bedeuten. Neulich, bei einem Interview, habe ich festgestellt, dass wir in den Videos und auch inhaltlich einen Hang zum Wasser haben. Wasser ist ein Motiv, das öfter vorkommt – als Metapher oder als Geschichte, beispielsweise bei „Still Waters“, „This Is An Ocean“ und auch bei „Devil’s Hand“. Manchmal merke ich erst im Nachhinein, was da vor sich geht. Existenzielle Fragen und auch viel Zwischenmenschliches sind auch Themen der Platte.

Ihr beschreibt euch als „artifizielle Band“ und seid künstlerisch auch neben der Musik sehr aktiv?
Delhia: Hannes macht gerade seinen Meisterschüler an der HGB Leipzig im Bereich „Medienkunst“. Ich habe gemeinsam mit Schnigg „Gestaltung“ studiert und mache sehr viel anderweitige Musik. Jetzt studiert Schnigg gerade in Amsterdam „Performing Arts“. Albrecht hat als Musiker und Komponist unter anderem bei einigen Theaterproduktionen in Göttingen mitgewirkt. Da wir auch als bildende Künstler tätig sind, ist uns die Außenwahrnehmung wichtig. Für mich gehört es einfach mit dazu, sich nicht nur über die Musik auszudrücken, sondern eben auch durch die Bühnenperformance und die Videos.

Was hat es mit euren Bühnekostümen auf sich?
Delhia: Wir tragen immer die gleichen Gewänder. Es sind die Kostüme für die „Devil’s Hand“-Tour, die wir gemeinsam mit unserer befreundeten Designerin Aempersand entworfen haben. Sie sollen eine gewisse Spannung und Mystik unterstützen.

Euer Sound ist elektronisch und dabei niemals digital?
Delhia: Es gibt schon ein Beat-Grundgerüst, aber alles was drum herum passiert – alle kleinen Sounds, alle Samplings passieren live. Wir haben zwar auch Laptops auf der Bühne, aber wir sind kein Laptop-Act.

Wie geht es bei euch in der Zukunft weiter?
Delhia: Wir gehen Anfang Oktober und im Dezember erneut auf „Devil’s Hand“-Tour. Außerdem werden wir eine weitere Single veröffentlichen, sowie die Arbeit an unserem neuen Album fortsetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Marlen Schernbeck

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14. August 2012 | Interview, Musik

Die Unperfektheit der Emotionen

Von Stadtmagazin 07


Alin Coen & Band aus Weimar, bzw. Leipzig begeistern mit ihrer gefühlvollen, feinen und dennoch sehr ausdrucksstarken Musik. Alins Stimme, die mitten ins Herz trifft und ihre wortgewaltigen Texte, die es vermögen, Gedanken und Gefühle in einer so treffenden Art und Weise auszudrücken, schaffen eine warme Atmosphäre, in der sich jeder wohl fühlt. So auch am 28. Juli bei ihrem Konzert in der Kulturarena in Jena.

Einen Tag vor dem Konzert erklärte sich Alin Coen zu einem Interview mit dem Stadtmagazin07 bereit.

Als direkte Nachbarn aus Weimar seid ihr schon einige Male in Jena aufgetreten. Letztes Jahr bereits im Rahmen der Kulturarena im Volksbad und dieses Jahr zum ersten Mal draußen auf dem großen Theatervorplatz.
Alin Coen: Ja, und vor allem ist es aber auch eine Premiere für uns, vor über 2000 Leuten zu spielen. Zumindest für ein eigenes Konzert. Wir sind auch total aufgeregt!

Ursprünglich kommst Du aus Hamburg und bist 2001 nach Deinem Abitur zunächst viel in der Welt herum gereist und hast schließlich 2003 in Weimar angefangen Umweltschutztechnik zu studieren.
Alin Coen: Nach meinem Abitur 2001 habe ich in Hamburg ein Semester lang Medizin studiert, aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich nicht wirklich Ärztin werden möchte. Ich habe noch alle Klausuren mitgeschrieben, weil ich mir nicht vorwerfen wollte, dass ich es nur wegen der ganzen Klausuren nicht mache (lacht). Dann war ich für drei Monate in Indien, anschließend ein halbes Jahr in Schweden, einen Monat auf Kuba und zwei Monate in Mexiko. Also ich war eine Weile weg. Im September 2003 bin ich nach Weimar gezogen.

Ist während Deiner Zeit des Reisens viel Musik entstanden?
Alin Coen: Ich habe zu dieser Zeit überhaupt erst angefangen Musik zu machen. Wo auch immer eine Gitarre in einem Hostel rumstand, habe ich darauf rumgespielt. Etwas ernsthafter bin ich dann an die Musik gegangen, als ich für ein halbes Jahr bei einer Gastfamilie in Schweden gelebt habe. Dort hatte ich ein Kellerzimmer, wo ich die ganze Zeit Gitarre spielen konnte, sogar nachts. An einem Abend bin ich zusammen mit Freunden nach Stockholm gefahren – zu einer Open Stage. Um dort auftreten zu koennen, musste man zwei eigene Lieder spielen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte. Als ich dort die ganzen Leute sah, die dort mit ihren Liedern auftraten, dachte ich: Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall dabei. 8 Wochen später war ich wieder da – mit meinen ersten zwei Songs „Stream“ und „Steps“.

Du hast also Deine ersten Songs auf Englisch geschrieben?
Alin Coen: Ja, das war auch an sich sehr sinnvoll, Schwedisch konnte ich schließlich nicht. 2004 – also um einiges später – habe ich erst angefangen, Lieder auf Deutsch zu schreiben. Zu dieser Zeit habe ich an einem Popkurs teilgenommen, wo ich dazu ermutigt wurde, das Schreiben auf Deutsch zu probieren.

Mittlerweile ist die Anzahl Deiner deutschen und englischen Titel relativ ausgewogen. Nach welchen Kriterien entscheidest Du, ob Du einen Song auf Deutsch, oder auf Englisch schreibst?
Alin Coen: Das kommt ziemlich intuitiv. Aber ich glaube, das hat damit zu tun, was das für eine Musik ist. Eine bestimmte Musik inspiriert mich dazu, eine bestimmte Melodie zu singen und bestimmte Melodien funktionieren für mich auf Deutsch und andere Melodien wiederum auf Englisch besser. Also es ist auf jeden Fall eine musikalische Entscheidung, in welcher Sprache ich singe.

Wusstest Du bereits zu dem Zeitpunkt, als Du mit dem Studium angefangen hast, dass Du eigentlich lieber Musikerin werden willst?
Alin Coen: Ich habe tatsächlich nach einer kleinen Stadt gesucht, in der man beides studieren kann, sowohl Jazz-Musik als auch Umweltschutztechnik. Deswegen bin ich nach Weimar gegangen. Ich habe mir also ein Hintertürchen offen gehalten, eventuell auf Musik umzuspringen. Gleichzeitig dachte ich, dass ich in einer Stadt, wo es eine Musikhochschule gibt, leichter Mitmusiker finde. Als ich in Weimar ankam, machte ich auch sofort Aushänge, um nach Leuten zu suchen, die mit mir zusammen Musik machen wollen. Aber das war sehr erfolglos. Die ersten drei Jahre, in denen ich nach Musikern suchte, habe ich echt ganz schön im Dunkeln getappt. Obwohl ich Jan, meinen Gitarristen, eigentlich ganz schnell kennenlernte. Mit ihm habe ich ab 2004 zusammen Musik gemacht. Die komplette Band habe ich dann aber erst 2007 gegründet.

Inhaltlich dreht es sich in Deinen Songs meist um sehr emotionale Themen. Beispielsweise in dem Song „Festhalten“ geht es darum, dass der eine mehr empfindet, als der andere. Eure EP trägt direkt den Namen „Einer will immer mehr“. Ist das also ein Thema, das Dich sehr beschäftigt?
Alin Coen: Ja, also das Besondere ist, dass der Song „Festhalten“ aus der anderen Perspektive geschrieben ist. Ich hatte damals einen Freund, der mir ziemlich viel darüber erzählt hat, was er alles nicht empfindet. Das habe ich dann in diesem Lied verarbeitet. Ich habe ziemlich genau seine Worte genommen und da einfach mein eigenes Lied draus gemacht. Der Song „Einer will immer mehr“ ist ein bisschen allgemeiner gehalten. Bei „Festhalten“ geht es tatsächlich mehr um diese Unentschlossenheit, dass sich einer nicht eingestehen will, dass er den anderen nicht richtig liebt. Bei „Einer will immer mehr“ ist es kein Hin- und Hergerissensein. Es ist nicht ein „Ich weiß auch nicht genau, was ich für dich fühle“, sondern es ist ein „Du überschüttest mich mit deiner Liebe“. Also ich differenziere da ein bisschen. Aber schon klar, es liegt inhaltlich schon sehr nah aneinander.

Zu dem Song „Festhalten“ habt ihr ein Video mit der Frauenmannschaft des Hamburger FC St. Pauli Rugby gedreht. Wie ist diese Idee entstanden?
Alin Coen: Diese Idee ist wirklich uralt. Ich glaube das war 2008, als Myspace gerade im Kommen war. Damals habe ich dieses Lied hochgeladen und man konnte für jedes Lied ein Bild auswählen. Ich saß an dem Computer meiner Mutter und sie hatte Fotos von einem Rugby-Spiel meiner Schwester gemacht. Meine Schwester hat in der Frauenmannschaft des Hamburger FC St. Pauli gespielt. Und da war dieses eine Foto, auf dem die eine Rugby-Spielerin an der anderen zog – also sehr an ihr festgehalten hat. In dem Moment dachte ich sofort, wie cool es wäre, das Bild dem Song hinzuzufügen. Also die Idee ist durch dieses Foto inspiriert worden, das wie die Faust aufs Auge passt.

Worum wird es sich inhaltlich bei Deinem neuen Album handeln? Hast Du bestimmte Themen, die Dich inspirieren?
Alin Coen: Hauptsächlich Themen, die mit den Missgeschicken des Menschen zu tun hat. Den Unperfektheiten der Emotionen der Menschen und generell wie kompliziert wir alle sind. Ansonsten ist z.B. ein Stück dabei, das „A no is a no“ heißt. Es geht darum, dass das „Nein“ einer Frau akzeptiert werden muss – von wem auch immer, egal zu welchem Zeitpunkt. Beispielsweise wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt, oder sie flirtet, ist es noch lange kein Freischein für jeglichen Umgang mit dieser Frau.

Du bist bereits als Support zahlreicher namhafter Künstler aufgetreten, wie z.B. Regina Spektor, Philipp Poisel, Amos Lee, oder Suzanne Vegas. Wie ist das zustande gekommen?
Alin Coen: Das mit Regina Spektor hat sich eher zufällig durch Kontakte ergeben. Die anderen Geschichten mit Philipp Poisel, Amos Lee und Suzanne Vega kamen dadurch, dass ich bei der Booking Agentur bin, die Konzerte für Philipp Poisel etc. organisieren. Und die haben mich gefragt, ob ich nicht eröffnen möchte. Zwischen Philipp und mir hat sich eine Freundschaft entwickelt. Mittlerweile war ich bereits drei Mal als Support mit ihm unterwegs und jetzt bei der „Seerosen-Tour“ als Mitsängerin.

Dein Bekanntheitsgrad steigt immer mehr und Du feierst zunehmend musikalische Erfolge. Neben deiner Teilnahme beim Bundesvision Songcontest für Thüringen 2011 von Stefan Raab und einem Fernsehauftritt bei Ina Müller, bist du Dauer-Gast bei TV Noir. Was ist in der nächsten Zukunft geplant?
Alin Coen: Ich glaube, ich bin der häufigste Gast bei TV Noir (lacht). Sie sind wirklich ganz unterstuetzend und legen sich auch richtig ins Zeug. Bei Konzerten gibt es häufig Leute, die uns erzählen, dass sie uns über TV Noir kennengelernt haben. Im September gehen wir unter dem Schirm von TV Noir auf Tour, worauf wir uns schon sehr freuen.
Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Marlen Schernbeck
Foto: smile-shoots.de

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8. August 2012 | Interview

„Die Phantasie wird siegen“

Von Stadtmagazin 07


Max Prosa – das ist ein Name, der bereits passend beschreibt, was einen bei seiner Musik erwartet: Texte, die ehrlich und treffend sind, verfasst in lyrischer Sprache, die ihre Zeitlosigkeit behält. Max Prosa beschreibt Situationen auf künstlerische Weise, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Dass er gerade erst 22 Jahre alt ist, kann man zunächst kaum glauben. Und doch ist es vielleicht genau das, was den Zauber seiner Musik ausmacht. Seine Songs sind reif und erwachsen und doch schauen sie nicht zurück, sondern treiben nach vorne und lassen Raum für Träumerei und Phantasie.

Max Prosa und seine Band spielten vergangenen Samstag zum ersten Mal in Jena. Kurz vor seinem Auftritt in der Kulturarena hatte Stadtmagazin 07 die Möglichkeit, mit ihm über sein neues Album, seine Gedanken und Ideen und seine Zukunftspläne zu sprechen.

Du hast mit 17 dein Abitur gemacht und dann angefangen, Physik und Philosophie zu studieren. Wann hast Du gemerkt, dass Du eigentlich lieber Musiker bzw. Songwriter sein möchtest?
Max Prosa: Es war schon immer eine gewisse Affinität zu Musik und Texten da. Das hat sich neben der Schule entwickelt und wurde mit der Zeit immer größer und größer und war letzten Endes um einiges erfüllender als die Energie, die ich in das Studium investiert habe. Deswegen habe ich mich zum Schluss relativ schnell dazu entschieden, Musik zu machen, auch wenn es anfangs recht aussichtslos schien. Aber es hat dann doch funktioniert und jetzt sind wir viel unterwegs, was cool ist.

Wie kamst Du auf die Kombination Physik und Philosophie?
Prosa: Physik hauptsächlich deswegen, weil ich immer gut in Physik war (lacht). Philosophie war dann ein Ausgleich für mich – da konnte ich mich inspirieren lassen. Ich mache ja jetzt auch viel, was mit Philosophie zu tun hat, wobei – letzten Endes auch mit Physik. In der Physik geht es ja immer um bestimmte Strukturen, genau wie Songs auch Strukturen aufweisen – wie mathematische Formeln, die funktionieren und in sich wirken und dann am Ende aufgehen. Da kann man schon viele Parallelen erkennen.

Was ist Dein größter Antrieb Songs zu schreiben?
Prosa: Es ist eher ein Bedürfnis, das keinen realen Antrieb braucht. Ich schreibe nicht, weil ich ein konkretes Ziel erreichen will, sondern eher aus einem Bedürfnis heraus, das sich über den Tag aufstaut. Wenn man viel unterwegs ist, dann ist es manchmal schwierig, dem nachzugehen. Oft passiert es mehr oder weniger automatisch.

Wenn man inhaltlich auf Deine Texte schaut, erkennt man bestimmte wiederkehrende Motive, wie z.B. das Motiv der Sehnsucht und eine gewisse Realitätsflucht. Auch der Albumtitel „Die Phantasie wird siegen“ lässt darauf schließen. Sind das zentrale Themen für dich?
Prosa: Ja, Realitätslosigkeit ist ganz wichtig. Ich glaube, es ist vor allem das, was die Leute dazu bewegt, Musik zu hören. Es ist für jeden wichtig, auch mal der Welt zu entfliehen und dem nachzugehen, was in einem ständig mitwächst und dieser Sache Raum zu geben. Ich denke, dass man ausgeglichener lebt, wenn man sich seinen Träumen und seiner Phantasie hingibt. Und das ist letzten Endes das, was Musik tun kann und wenn ich das tun kann, dann ist das was schönes.

Hast Du schon immer dazu geneigt viel zu träumen?
Prosa: Ja, das auf jeden Fall. Als Kind habe ich viel alleine gespielt und mir Personen vorgestellt, mit denen ich kommuniziert habe. Wenn man erwachsen wird, durchlebt man natürlich einige Traumata, die man auch braucht, um bestimmte Sachen zu verarbeiten und die einem einen Anfangsimpuls für das Schreiben geben. Vor allem in Bezug auf das erste Album.

Ein zweites Album ist also bereits in Arbeit?
Prosa: Es ist sogar schon fast fertig, wird aber trotzdem erst im nächsten Jahr veröffentlicht. Das zweite Album ist mehr aufs Große bezogen – es überträgt sich mehr auf die Welt, aber das Grundgefühl bleibt dennoch vorhanden. Letzten Endes ist es genau das, was Menschen miteinander verbindet: sich in einem Lied wiederzufinden, obwohl jeder seinen eigenen und unterschiedlichen Lebenslauf hat. Das zeigt ja auch, dass man sich in einer Welt, in der jeder individuell sein will – Künstler ganz besonders – doch irgendwie ähnlich ist. Das ist auf jeden Fall schön und wichtig.

In Deinem Song „Flügel“ heißt es: „Wenn ich könnt, flög ich davon mit meinen Flügeln aus Beton und wär die Schwerkraft nicht, dann fänd ich dich.“ Wen oder was möchtest Du finden?
Prosa: Es ist keine konkrete Person, um die es da geht. Das ist nicht mein Verständnis von einem Song. Lieder sollten nicht privat sein, sondern sich mehr auf Allgemeines beziehen. Gerade bei dem Lied merke ich, dass es immer wieder auf neue Situationen zutrifft. Das ist interessant, weil das Lied ja jetzt auch schon zwei bis drei Jahre alt ist. Manche Lieder, die man schreibt, liegen nach einer gewissen Zeit tot im Käfig, dann hat der Inhalt für das Eine gestimmt, aber für andere Dinge nicht mehr.

Du hast 2009 die ’Schule für Poesie und Musik’ (SAGO) besucht, an einem Popkurs in Hamburg teilgenommen sowie 2010 an einem Förderprojekt der Popakademie in Mannheim. Würdest Du sagen, dass dir die Teilnahme in Deiner musikalischen Entwicklung geholfen hat?
Prosa: Zu dieser Zeit habe ich mich gerade dazu entschieden gehabt, der Musik mehr Raum zu geben und verschiedene Sachen auszuprobieren. Also habe ich mich umgeschaut, was es hierzulande gibt, das einem mehrere Perspektiven eröffnet. Es ist wichtig nicht zu erwarten, dass es etwas mit einem macht, sondern nur, dass man hingeht, seinen Teil davon mitnimmt und sich dann aber selber weiterentwickelt. Und das kann man in ganz vielen von diesen Sachen toll machen.

Hinter „Max Prosa“ steckt ja auch noch eine sehr talentierte Band. Wie habt ihr euch gefunden?
Prosa: Es hat sich zunächst angefühlt wie eine Mondmission Leute zu finden, die die gleiche Energie und Kraft aufbringen, die Lieder zu verkörpern und auch noch ein Team bilden, das in sich total schlüssig ist. Eigentlich ist es auch erst seit ein paar Monaten richtig abgeschlossen – als Magnus dazu gekommen ist. Jetzt ist es ein ganz rundes Bild für mich. Von den sechs Leuten, die jetzt dabei sind, waren drei, mit mir vier, schon relativ schnell dabei. Später kamen dann die beiden Gitarristen noch dazu. Alle kommen aus unterschiedlichen Projekten – Erez beispielsweise kommt aus Israel und hat in Berlin mit seiner israelischen Avantgarde-Band gespielt. Stefan habe ich damals bei der ’SAGO’ kennengelernt – er ist selber Songwriter und war der erste, der mit dabei war. Irgendwann hatte ich dann die fünf Leute zusammen und wir haben uns im Proberaum getroffen. Damals kannte keiner den anderen und nun sind wir eine Familie geworden.

2011 ward ihr gemeinsam mit Clueso auf Tour, wodurch ihr relativ schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt habt. Mittlerweile wart ihr schon Gast bei ’TV Noir’ und hattet einen Fernsehauftritt bei Ina Müller. Habt ihr mit dem Erfolg gerechnet?
Prosa: Nein, damit haben wir nicht gerechnet. Unser erstes Album haben wir aufgenommen, ohne zu wissen, dass es bei Sony rauskommt. Wir waren in Erfurt am Zughafen und plötzlich hieß es zwei Wochen vor der Clueso-Tour, ob wir Support sein wollen. Und schon ging es los. Wir hatten vorher vor maximal 50 Leuten in Berlin gespielt und beim ersten Konzert in Erfurt waren dann 11.000 Leute. Das war natürlich eine krasse Erfahrung und auch ein wenig surreal. Es hat uns natürlich unheimlich viel gebracht, weswegen wir Clueso einfach nur danken können, dass er an uns geglaubt und uns unterstützt hat.

Was ist in der nächsten Zeit geplant? Werdet ihr noch einige Konzerte spielen?
Prosa: Wir waren bereits im März auf Tour – jetzt stehen noch einige Festivals an. Dort spielen wir nun schon zur Hälfte die Songs des neuen Albums, was ja ein wenig gewagt ist. Für mich ist es wichtig authentisch zu bleiben. Ich möchte, dass die Leute, die zum Konzert kommen, darauf verwiesen werden, was es wirklich ist. Wenn man im Kopf schon woanders ist als bei den Songs des ersten Albums, dann ist es mir ein Bedürfnis, dem gerecht zu werden. Deswegen auch der Gewaltakt – in einem Jahr eine Platte zu veröffentlichen und gleich ein neues Album zu machen. Aber es war gut so.

Steht der Name für das neue Album bereits fest?
Prosa: Nein, das ist noch nicht ganz sicher. Da gibt es noch so ein paar Diskussionen – aber eher in mir. Ich diskutiere mit mir selbst. (lacht)

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

Interview: Marlen Schernbeck
Foto: smile-shoots

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4. Juni 2012 | Interview, Musik

For all that… goodbye “lost.minds”!

Von Stadtmagazin 07


Nach insgesamt fast achtjähriger Bandgeschichte kam es nun im Mai überraschend zur Auflösung der Jenaer Band “lost.minds”.

Ursprünglich 2004 als Projekt gestartet, entwickelte sich „lost.minds“ zu einer Band, die mit ihrem vielfältigen Klangbild zwischen Elektronik und Post-Rock einige musikalische Erfolge feierte. Als Quintett entstanden ihre ersten zwei EPs – „two“ (2009, in Jena aufgenommen) und „lost.minds“ (2010), die sie bereits in Berlin aufnahmen. Eine gemeinsame Polen- und Tschechien-Tour folgten sowie zahlreiche Support-Auftritte namhafter Bands.

Aufgrund örtlicher Distanz und musikalischer Differenzen kam es schließlich zur Trennung von einem der Mitglieder, Oliver Gehrmann (Gitarre, Synthesizer). So wurde aus dem Quintett ein Quartett, das auch die endgültige Formation von „lost.minds“ bleiben sollte, bestehend aus Martin Schröder-Zabel (Gesang, Gitarre, Synthesizer), Daniel Mattern (Keyboard, Synthesizer, Gitarre, Gesang), Michael Lang (Bass, Percussions) und Tobias Hubold (Schlagzeug, Percussions, Programmierung). 2011 erschien ihre dritte EP „ghost and echoes“, die mit sieben Titeln die bisher meisten und auch ausgereiftesten Songs aufweist. Aufgenommen wurde sie erneut in Berlin, jedoch dieses Mal gemastert von Marko Schneider, der unter anderem bereits mit „Blackmail“ zusammengearbeitet hat. Umso trauriger erscheint nun das Ende der Band, die noch so viele Pläne hatte und gerade in den Startlöchern ihrer Karriere stand. Anlass der Trennung ist die schwere Erkrankung eines der Mitglieder.

Als Abschiedstournee reisten sie für vier Konzerte erneut nach Polen, allerdings bereits nur noch zu dritt. Am 11.05.2012 standen sie zum letzten Mal zu viert auf der Bühne und verabschiedeten sich im Café Wagner von ihren Jenaer Fans sowie von all denjenigen, die auch von fern extra angereist waren, um „lost.minds“ ein letztes Mal spielen zu hören.

Kurz nach dem Abschiedskonzert erklärte sich Martin Schröder-Zabel zu einem abschließenden Interview bereit.

Nach häufigeren Konstellationsänderungen ward ihr schließlich seit 2010 als Quartett unterwegs. Sollte dies die endgültige Formation von „lost.minds“ sein?
Martin: Ja, auf jeden Fall! Seitdem wir zu viert sind, haben wir uns zum ersten Mal wirklich rundum wohl gefühlt und jeder hat gesagt: „Ok, es gibt im Moment wirklich keinen Song, den ich nicht mag oder den ich nicht spielen möchte.“ Und diese Stimmung war in den letzten 12 Monaten eigentlich durchgängig vorhanden.

Euren Sound kann man als eine Mischung aus Indie-Rock, Elektronik und Elementen des Post-Rocks beschreiben. Wie kam dieser Mix zustande? Treffen da unterschiedliche Musikgeschmäcker aufeinander?
Martin: Nein, das kann ich nicht sagen. Es ist schon so, dass wir einen relativ ähnlichen Musikgeschmack haben. Wir können uns zwar nicht auf besonders viele Bands einigen, die wir alle gut finden – außer Dredg z.B. – aber ansonsten würde ich schon sagen, dass elektronische Musik, Indie und Post-Rock drei Felder sind, in denen wir uns alle vier bewegen. Das macht es zum Glück alles ein bisschen einfacher.

Die Songs der neuen EP sind insgesamt eingängiger, fast schon poppig. Warum habt ihr das Vertrackte bei der neuen EP rausgenommen?
Martin: Zum einen liegt es vielleicht daran, dass wir damals noch zu fünft waren – wir hatten ja teilweise drei Gitarren und drei Synthesizer und jeder hat etwas dazu gespielt. Zum anderen hat uns das Komplizierte damals einfach mehr angesprochen, also Songs interessant zu gestalten mit vielen Parts. Ich denke, wir haben uns musikalisch ein bisschen anders entwickelt. Uns geht es mittlerweile mehr um einen langen, dynamisch stimmungsgeladenen Aufbau und darum, der Melodie mehr Platz zu geben – sie also in den Vordergrund zu stellen und einfach mal zu sagen: „Oh, das klingt jetzt zwar fast wie „Modern Talking“, aber es fällt keinem auf.

Wenn du an eure gemeinsame Zeit zurückdenkst, gibt es bestimmt viele Highlights. Gibt es trotzdem bestimmte Situationen, die besonders prägend waren?
Martin: Außergewöhnlich und toll waren komischerweise immer die Sachen, von denen wir es nicht erwartet hatten. Z.B. haben wir im Dezember in der recht kleinen Stadt „Brandenburg“ gespielt, südwestlich von Berlin, in einem Jugend-Kulturzentrum, in das ca. 200 Leute reingepasst haben. Der Laden war so voll und die Stimmung einfach unglaublich. Das war in der nahen Vergangenheit der beste Auftritt überhaupt. Dann gab es noch die Support-Auftritte für die schwedische Band „You Say France, And I Whistle“ in Leipzig sowie für „Kakkmaddafakka“ im Kassablanca, die auch Highlights waren sowie unser Konzert im Weißenfelser Schloß. Weißenfels ist eigentlich eine Stadt, an der man eher vorbeifährt und sich davon nicht wirklich etwas verspricht. Dann fährst du dahin – ohne jegliche Erwartungen – und wirst einfach total überwältigt. Ich habe generell bei diesen kleinen Städten das Gefühl, dass sie nicht so gesättigt sind und die Leute viel dankbarer und vor allem auch offener sind. Sie trauen sich z.B. einfach mal auf dich zuzugehen. Ich weiß auch nicht, manchmal habe ich das Gefühl, nur weil ich eine Gitarre umhabe, will mich danach keiner ansprechen. In Berlin z.B. ging es mir nach den ersten Auftritten ganz oft so.

Wie war es für euch in Jena? Hat für euch als Jenenser nicht alles in Jena begonnen?
Martin: Wir kommen alle aus dem Randgebiet von Jena. Wir sind zwar in Jena geboren, haben auch die ersten Jahre in Jena gewohnt, aber sind dann später ins Umland gezogen – in die Gegend um Kahla und Stadtroda. Da waren dann auch unsere ersten Auftritte bei Schulveranstaltungen etc. Als wir zwischen 2004 und 2006 als Band anfingen, war es unser oberstes Ziel endlich mal in Jena zu spielen, was dann auch relativ schnell geklappt hat. Der erste Auftritt war glaube ich im Rosenkeller, dann im Café Wagner und schließlich war es danach unser Ziel, im Kassablanca zu spielen und das hat dann ja auch irgendwann geklappt. Bei BandsPrivat haben wir auch zweimal gespielt, das war echt cool – beide Male. Aber irgendwann mussten wir dann auch endlich mal raus.

Euer Bandname „lost.minds“ sowie der Name eurer neuen EP „Ghost And Echoes“ lässt auf eine Art Gefühlswelt und viel Träumerei schließen. Geht es auch inhaltlich in euren Songs um diese Themen?
Martin: Ja, Träumereien und Phantasie-Geschichten spielten schon immer eine große Rolle – auch schon vor der EP „Ghost And Echoes“. Wir sind immer gerne auf der Schwelle zwischen Realität und Schein entlang balanciert. „Ghost And Echoes“ ist jedoch die erste Platte, auf der nun auch Themen zu finden sind, die offensichtlich persönlicher sind. Es geht dort hauptsächlich um Sachen, die wir alle in einer Art und Weise erlebt und die uns beschäftigt haben.

Zum Beispiel?
Martin: Beim Song „Ghost And Echoes“ geht es um einen Traum, den ich bereits einige Male hatte und in ähnlicher Art und Weise ständig träume. Bei dem Song „Never Stop A Beating Heart“ geht es um einen guten Freund von mir, was ich aber so direkt nie schreiben würde. Wir probieren die Erlebnisse mehr mit einer gewissen Geschichte zu verbinden oder mit Hilfe einer Traumwelt zu erklären.

Ihr ward ja gerade dabei nach drei EPs nun endlich ein ganzes Album aufzunehmen. Wie kam es dazu?
Martin: Für uns hat sich immer die Frage gestellt, ob es sich als Band, die alles selber macht, lohnt, ein komplettes Album mit 12 oder 13 Songs aufzunehmen. Ohne Label, bzw. Agentur, hat man keine Chance, in große Werbekampagnen reinzukommen und alle Angebote, die es bis zu diesem Zeitpunkt von Agenturen oder Labels gab, waren uns meist suspekt. Eine EP war somit für uns finanziell einigermaßen zu händeln und hat uns immer ganz gut gefallen. Jetzt hätten wir jedoch ein Label aus Berlin gehabt, mit dem wir gerne zusammengearbeitet hätten, genauer gesagt war schon alles fertig beschlossen.

Die Erkrankung von Daniel und die damit verbundene Auflösung von lost.minds kam somit eher überraschend? Also es war nichts, worauf ihr euch als Band bereits eine längere Zeit einstellen konntet?
Martin: Es hat sich erst seit der Dezember-Tour abgezeichnet, bei der Daniel nach Auftritten akute Kreislaufprobleme hatte und kräftemäßig regelrecht zusammengebrochen ist. Er hatte außerdem während der gesamten Tour starke Kopfschmerzen. Die Konzerte im Januar haben wir dann noch gespielt und den Rest jedoch absagen müssen. Für uns war es zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, was passieren wird. Es hat sich dann aber relativ schnell gezeigt, dass es nicht mehr weiter geht und Daniel eine lange Pause braucht, bestimmt ein paar Jahre, um sich wieder zu regenerieren.

…lost.minds ohne Daniel war ausgeschlossen?
Martin: Wir haben natürlich einen Moment darüber nachgedacht, weiterzumachen. Dafür gibt es lost.minds schon zu lange, um so schnell aufzugeben. Außerdem lief es gerade sehr gut und wir hatten alle viel Spaß daran. Aber wie ich es ja auch schon am Anfang sagte, das Quartett war einfach perfekt. Freundschaftlich sowieso, aber auch musikalisch und von den Abläufen her war es super. Man konnte sich aufeinander verlassen und das ist sehr wichtig in einer Band. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, ob man in einer Stadt wie Jena jemanden findet, der die ganzen Fähigkeiten von Daniel besitzt: Keyboard, Synthesizer, Gitarre, Gesang und dann auch noch Lust auf diese Musik. Auch die Freiheit und Spontaneität zu haben, kurz entschlossen an einem Montag nach Stuttgart oder nach Wien zu einem Auftritt zu fahren. Und in eine andere Stadt gehen, etwa nach Berlin, wo es sicherlich leichter wäre, jemanden zu finden, wollen wir nicht. Es ist gut so, wie lost.minds in der letzten Zeit gelaufen ist und wir möchten, dass es so in Erinnerung bleibt. Es soll halt gerade einfach nicht weitergehen, auch wenn es bitter für uns ist.

Wie geht es für euch drei musikalisch weiter? Habt ihr dennoch bestimmte Projekte?
Martin: Ja, ich spiele schon seit anderthalb Jahren bei der Band „Standek“, mit der wir 2009 zusammen durch Polen getourt sind. Als der Gitarrist damals dort ausgestiegen ist, bin ich als guter Freund zunächst mehr als Aushilfe für ein paar Auftritte eingesprungen und blieb dabei. Aber auch wir drei werden wahrscheinlich etwas Neues machen. Wir sind dabei auszuprobieren, ob wir zu dritt irgendetwas auf die Beine kriegen, das uns gefällt. Es soll anders werden, denn ich habe keine Lust, den lost.minds – Stil zu kopieren. Allerdings wird es sicher immer wieder passieren, da ich nach wie vor singen und die Texte schreiben werde, immer noch Gitarre und Synthesizer spielen werde und ich werde immer noch meine Töne ziehen, wie ich möchte (lacht).

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Interview: Marlen Schernbeck
Foto: Lost.Minds

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17. Mai 2011 | Allgemein, Freizeit, Interview, Kino, Kultur

Die Tragödie der Provinz

Von Maxi Gade


… das Vogtland als nur ein Beispiel: ‘Copa Courage’ zeigt einen Dokumentarfilm im Schillerhof

19.05.2011│19.00h│Schillerhof│Copa Courage 2011│Filmvorführung: Die Tragödie der Provinz

Nach einem gelungenen Start mit dem 2. Courage-Coup am 15.05.2011 verlegt sich die dreitägige Veranstaltung “Copa Courage” unter dem Motto „Fairplay nicht nur im Sport“ am 19.05. auf die Bewegung im Film: Der Dokumentarfilm „Die Tragödie der Provinz“ nimmt das thüringische und sächsische Vogtland in den Blick und verfolgt durch Interviews die Haltung der Bevölkerung zu sich dort ausprägenden nationalistischen und demokratiefeindlichen Strukturen. Fernab von allem wurden hier Angsträume für Andersdenkende etabliert, die es schwierig machen, der erkenntnisresistenten Öffentlichkeit entgegen zu treten.
Menschen, die sich gegen Neonazis engagieren, sehen kaum Möglichkeiten, ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen. Die Angst, Opfer rechter Gewalt zu werden, gehört für viele zum Alltag.

Grund genug für den Journalisten Maik Baumgärtner und den Kameramann Ralf Zimmermann einmal genauer hinzuschauen und Menschen zwischen Greiz und Plauen, die sich gegen rechtes Gedankengut und Neonazis engagieren, zu Wort kommen zu lassen.

Der Schillerhof zeigt den Dokumentarfilm am 19.05.2011 um 19.00 Uhr. Anschließend wird es zusammen mit dem Urheber des Films Maik Baumgärtner sowie weiteren Akteuren Möglichkeiten zur Diskussion geben.
Der Eintritt ist frei.

Beendet wird die “Copa Courage 2011″ am 22.5. mit einem Zivilcourage-Impulstraining im Stadtteilbüro Winzerla. Anmeldungen nur noch bis 17.5. bei KoKont unter www.kokont-jena.de/index.php?option=com_content&view=article&id=308:copa-courage-2011&catid=43:related-projects möglich.

Autor: Maxi Gade
Foto: KoKont Jena

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11. November 2010 | Interview

Auf den richtigen Moment warten

Von Stadtmagazin 07

Lambchop sind keine gewöhnliche Band, sondern ein Musikerkollektiv mit teilweise über einem Dutzend Mitwirkender, dessen Schaffen 1993 in Nashville begonnen hat. Kopf und Energiezentrum ist Kurt Wagner, der trotz der musikalischen Vielseitigkeit dieser Band für eine unglaubliche Beständigkeit und hohen Wiedererkennungswert sorgt. Mit ihrem Erfolgsalbum „Is a Woman“, das von der Süddeutschen Zeitung einst als „eine der zehn besten Platten, die jemals gemacht worden sind“ in den Pophimmel gelobt worden ist, touren Lambchop gegenwärtig wieder durch Europa.

Stadtmagazin 07 verlost für das Lambchop-Konzert am 03.12.2010 in der Geraer Johanniskirche  2x 2 Eintrittskarten. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, sollte bis zum 30.11.2010 eine eMail an leserpost@stadtmagazin07.de geschrieben haben.

Interview mit Kurt Wagner Diesen Beitrag weiterlesen »

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21. Oktober 2010 | Interview

Den Kopf voller Schokoladenfrösche.

Von Stadtmagazin 07

Das Stadtmagazin 07 im Interview mit Fish über seine aktuelle Tournee, seinen kommenden Auftritt im Jenaer Volkshaus und über seine ehemalige Band „Marillion“.

Deine Fans nennen sich die „Fish-Heads“. Auch Deine aktuelle Tournee heißt „Fish Heads Acoustic Tour“. Was für ein Projekt ist das?
Fish: Wir spielen diesmal ein Akustik-Set. Das ist eine ganz andere Art, Musik zu machen, fast schon spirituell. Da ist ganz viel Seele dabei.Gleichzeitig ist diese Art von Musik sehr theatralisch und sehr intim. Wir sind 3 Musiker und das Publikum, da kann man nicht mehr tricksen.

Wie kommt es dazu – und wieso Akustik?
Fish: Oh, da muss ich ein bisschen weiter ausholen…Ich hatte meiner erste Stimmbandoperation Ende 2008, das war am Ende der letzten Tournee. Ich hatte einen („GROWTH? GROAS? IN MYTHROAT)… Ich hatte schon während der Tour gemerkt, dass etwas nicht stimmte und dass ich zu schnell heiser wurde. Die erste Operation ist dann erfolgreich verlaufen und sechs Monate später habe ich wieder Konzerte gegeben, das war wohl zu früh. Ich wurde immer heiserer. Im Dezember 2009 musste ich erneut operiert werden.

Das klingt nicht gut! Jetzt ist alles überstanden?
Fish:
Ja, zum Glück. Im Februar diesen Jahres habe ich von den Ärzten das OK bekommen. Ich habe dann langsam wieder angefangen, mit meiner Band zu arbeiten- wir haben damit begonnen, die Tonlage der Songs zu verändern, ganz ohne Elektrik, einfach nur akustisch. Wir haben viele Songs noch einmal ganz auseinander genommen. Und wir waren wirklich überrascht, wie gut das klang.

Es gab aber noch weitere Tief- und Rückschläge für Dich, oder?
Fish: Stimmt. Ich habe im Mai 2009 geheiratet. Sechs Tage nach meinem Krankenhausaufenthalt im Dezember sagte mir meine Frau, dass sie nicht mehr in Schottland leben wollte – und auch nicht mehr mit mir verheiratet sein wollte. Da musste ich noch mehrere Monate darauf warten, bis ich meine Stimme wieder einsetzen konnte, und ich stand vor einem großen Loch und vor der Frage: Verdammt, was machst Du jetzt eigentlich?

Und? Was gibt Dir in so einer Krise Energie und Stärke?
Fish: Es gibt ein Sprichwort in Schottland, das lautet: „Du hast Deinen Kopf voller Schokoladenfrösche“. Das bedeutet, dass Du nicht vernünftig funktionieren kannst, weil Du den Kopf voll hast von Dingen. So ging es mir am Anfang des Jahres. Dann bin ich nach Costa Rica gefahren, wegen der Wärme und um einfach mal wegzukommen, und habe festgestellt, dass es mehr gibt im L eben. Jetzt bin ich ganz zufrieden, weil ich viel mehr ich selbst bin als das, was andere von mir erwarten.

Du spielst am 9.11.2010 im Volkshaus in Jena. Ein traditionsreiches Haus historischem Hintergrund. Welche Songs wird es so geben im neuen Konzert?
Fish: Oh, ganz viele! Wenn wir nach Deutschland kommen, haben wir Material für 3 Stunden oder mehr im Gepäck. Wir haben zum Beispiel eine Akustikversion von „Vigil in the wilderness of mirrors“ dabei, die ist umwerfend geworden. Oder „Fugazi“, auch da haben wir eine brillante Version dabei, auf die ich stolz bin. „Family Business“ ist mit dabei, das habe ich jahrelang nicht mehr live gespielt. „Gentlemans Excuse Me“ gibt es in einer Pianoversion. Und natürlich die Offensichtlichen Songs wie „Kayleigh“ und Co.

Ein besonderes Highlight wird es für deine Fans in Jena geben. Was wird das genau sein?
Fish: Die Akustik Konzerte haben einen sehr intimen Charakter. Sowohl beim Konzert selber, als auch im Anschluss. Ich möchte mit meinen Fans in persönlichen Kontakt treten. Wir werden sicher noch viel Zeit an diesem Abend zusammen verbringen.

Dankeschön für das Gespräch.

Tickets gibt es bei der Touristinformation Jena, bei CTS-Eventim, sowie in allen Pressehäusern der TLZ/OTZ/TA und unter 0180/5055505 oder online unter www.ticketshop-thueringen.de

Text: Florian Berthold: Foto: Fish

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8. September 2010 | Interview

Unterschätzte Langeweile

Von Stadtmagazin 07


Die Band Tocotronic ist schon lange genug Teil der deutschen Musikszene, um sich etwas auf ihren Status einbilden zu können. Die Band wird jedoch auch bei neuen Veröffentlichungen nicht belanglos. Sänger Dirk von Lowtzow verriet Stadtmagazin07, wie wichtig dafür das Hinterfragen der eigenen Posi­tion ist und was man sonst noch anzweifeln sollte…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 20: Oktober 2010.
Ab 1. Oktober kostenlos erhältlich.

Text: Denny Kleindienst; Foto: Michael Petersohn

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11. Juni 2010 | Bühne, Interview, Kultur

„Die ganzen Westbundesländer können sich selbst eine Hymne schreiben.“

Von Stadtmagazin 07


Als studierter Puppenspieler ist er während seiner Zeit in Jena vor allem durch die „Falkenhorst“ – bzw „Cinehorst-Show“ zu regionaler Berühmtheit gelangt. Mittlerweile bereist Rainald Grebe das ganze Land, mit einem großen Fundus an bitterbös-komischen Liedern, von denen so manches bereits Kultstatus erlangt hat. Stadtmagazin 07 informierte sich bei ihm über den Stand der Dinge, im Allgemeinen und Besonderen…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 18: Juli-August 2010.
Ab 1. Juli kostenlos erhältlich.

Text: Matthias Eichardt; Foto: Jim Rakete

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20. April 2010 | Interview, Kultur, Musik

Musikalische Reise zurück zu den Wurzeln

Von Stadtmagazin 07


Der Philharmonische Chor Jena wird 40 Jahre alt und feiert das Jubiläum mit einem großen Doppel­konzert am 28. und 29. Mai im Volkshaus…

>> Lesen Sie den kompletten Artikel in Ausgabe 16: Mai 2010.
Ab 1. Mai kostenlos erhältlich.

Text: Sabine Bartmann; Foto: Jürgen Scheere

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