11. Oktober 2011 | Ausstellung, Kino

„Die Unbedingten“ im Stadtmuseum

Von Stadtmagazin 07


Keine Band, sondern Spielfilm und dazu auch noch mit unbedingtem Lokalbezug: Diesen Donnerstag gibt das Stadtmuseum mit Andreas Jaschkes Kurzfilm „Die Unbedingten“ einen Einblick in die Lebensgeschichte des Kotzebue-Mörders Karl Sand, der als Student Anfang des 19. Jahrhunderts in Jena lebte: Der junge Theologiestudent Jakob Feister und sein Freund Carl Ludwig Sand leben beide als Außenseiter in der kleinen Universitätsstadt. Mit den anderen angepassten Studenten haben sie nichts gemein. Und selbst aus der Burschenschaft Germania sind sie ob ihrer radikalen Ansichten ausgestoßen worden. Denn sie sind Zöglinge des glänzenden Redners, Privatdozenten und Rechtsgelehrten Karl Follen, der radikale Mittel und den gewalttätigen Umsturz für die Erreichung einer deutschen Republik für legitim hielt und dafür den eheimbund „Die Unbedingten“ ins Leben rief.

Eigentlich sind sich die beiden Freunde seit schon seit längerer Zeit einig, dass es ein deutliches Zeichen geben müsse, um Deutschland wachzurütteln und dass sie selbst es vollbringen werden.

Doch eine Kraft lässt Jakob erweichen und zufriedener stimmen – die Liebe. Luise, die Tochter des Turmwächters hat es ihm angetan. Und Jakob ist nicht mehr ganz bei der Sache. Er zögert. Auch wenn Carl ihn unter Druck setzt.

Als Jakob seinem Vater die Hochzeitspläne mit Luise verkündet, kommt es zum Eklat, der Jakob allen Mut nimmt, jemals mit Luise glücklich werden zu können. Frustriert schwört er deshalb bei einer Versammlung der Unbedingten, gemeinsam mit Carl das Fanal zu begehen. Dem aus ihrer Sicht unpatriotischen Dichter August von Kotzebue soll es an den Kragen gehen.

Dazu müssen sie nach Mannheim reisen. Die Geheimpolizei erfährt dies und verfolgt sie. Aber auch Luise, welche sich mutig Jakobs Vater widersetzt, reist ihnen nach um die Bluttat und die schlimmen Folgen für Jakob zu verhindern …

Stadtmuseum
Filmvorführung: „Die Unbedingten“, 47 min.
13.10.2011, 19 Uhr

Anschließend Filmgespräch mit Regisseur Andreas Jaschke (Regisseur) und Daniel Rohm (Produzent).

Autor: Matthias Eichardt
Bild: Stadtmuseum

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11. Juli 2011 | Ausstellung

Abendliche Sonderführung durch die Philosophieausstellung

Von Stadtmagazin 07


Die Galerie Stadtspeicher lädt diesen Donnerstag den 14. Juli 2011 um 19.30 Uhr recht herzlich zu einer abendlichen Sonderführung durch die Ausstellung ‘Ich zeichne, also denke ich’ ein.

Die Ausstellung beschäftigt sich auf künstlerische Weise mit philosophischen Gedanken und schafft es so, Philosophie jedem zugänglich zu machen. Die Kunst zu Denken und die Kunst zu Zeichnen bieten den Inhalt für die ausgestellten Karikaturen und Texte, die zum Schmunzeln, Denken und Quatschen anregen.

Durch die künstlerische Welt der Philosophie werden Sie begleitet von Katy Kasten-Wutzler und Julia Tripke, die Kuratorinnen der Ausstellung. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, ob das Glas halb voll oder halb leer ist oder warum Katzen glücklicher sind als Menschen, dann kommen Sie doch zur Führung!

Anmeldungen sind möglich unter Tel: 03641/498330 oder Mail: info@stadtspeicher.de
Weitere Informationen unter www.stadtspeicher.de

Autor: Florian Berthold
Foto: Stadtspeicher Jena e.V.

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22. Juni 2011 | Ausstellung

Biester in Jenas Kunstszene

Von Stadtmagazin 07


Die Galerie Kunsthof Jena e.V. lädt herzlich zur Ausstellung “Biester” des Künstlerlabels “typism” ein. Die Vernissage findet diesen Freitag, 20 Uhr statt.


Hinter dem Label verbirgt sich der Künstler Michael Schinköthe, dessen vielseitiges Werk neben eigenständigen Bildern auch Illustrationen, Typographien und Entwicklung von Brandings beinhaltet. Vom 24.06. bis zum 29.07. wird eine Auswahl seiner Werke mit einem ganzheitlichen Anspruch die Räume der Galerie einnehmen. Raumgreifend setzt sich der Künstler eigens für die Ausstellung über die Grenzen des Bildes hinweg. Das Prozessuale und Installative, das sich in den Wurzeln seiner Kunst, dem Graffiti wiederfindet, wird dem Betrachter auch in den Ausstellungsräumen begegnen.


Die Vernissage wird von der Jenaer Electonica-Formation “Klinke auf Cinch”, deren musikalische Neuerscheinung “Lentis” von “typism” grafisch gestaltet wurde, klanglich untermalt.

Wo?: Kunsthof Jena e. V., Ballhausgasse 3, 07743 Jena


Autor: Florian Berthold
Collage: Kunsthof Jena

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11. März 2011 | Ausstellung

‘Ein Tag Leben ist wertvoller als ein Berg Gold …’

Von Maxi Gade


Vom 11.03.-08.04.2011 sind Arbeiten der Künstler Peter Wuttke und Georg Mann im Kunsthof ausgestellt

11.03.2011│20.00h│Kunsthof│Peter Wuttke & Georg Mann│+ Funk-Jazz-Improvisationstrio│‘GOLD’│Vernissage

Ab dem kommenden Freitag widmet sich der Kunsthof Jena zusammen mit den zwei Künstlern Peter Wuttke und Georg Mann dem sagenumwobenden Edelmetall, das manch einer schon aus Stroh gesponnen haben soll: „GOLD“ repräsentiert einerseits einen unvorstellbaren Wert, andererseits aber auch eine Facette der Arbeiten beider Künstler. Das schimmernde Gelb lässt sich sowohl in den Ölbildern und Collagen Peter Wuttkes als auch in den figürlichen Arbeiten Georg Manns wiederfinden.
Beide Künstler verbindet eine gemeinsame Steinmetzausbildung, wobei Mann ihr bildhauerisch im Raum verhaftet blieb, hingegen Wuttke über die druckgrafische Technik der Lithografie einen Weg aus dem Raum in die bildnerische Fläche fand.

Jüngeren großflächigen Malereien werden eine größere Auswahl Lithografien sowie steinerne Köpfe gegenübergestellt. So finden die farblich natürlich über „Gold“ hinausgehenden narrativ-assoziativen Malereien Wuttkes in ihrer steten Reflektion des Farbe-Form-Bezugs gerade im bildhauerischen Gegenentwurf Manns der Material-Form-Beziehung eine different interpretierende Entsprechung.
„Gold“ kann dabei auf den Mehrwert verweisen, den dieses Wort in sich trägt: Gold in bar, im Vergleich, in uns.

Neben dem Sehen und Tasten wird auch das Hören von Bedeutung sein: Zur Vernissage bietet das Leipziger Funk-Jazz-Improvisationstrio um Friedrich Kettlitz (Gesang) mit Tim Maucksch (Bass) und Florian Henrich (Drums) musikalische Untermalung.

Auf einen Besuch freuen sich die Galerie Kunsthof Jena e.V. sowie beide Künstler, die ebenso der Vernissage beiwohnen werden.

Autor: Maxi Gade
Foto: www.georgmann.de

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27. Februar 2011 | Ausstellung, Jena

Mit leichter Pinselführung

Von Maxi Gade


Aquarell-Impressionen in der Bibliothek der FH Jena

28.02.2011│17.00h│Fachhochschule Jena│Bibliothek│Gebäude-, Natur- und Winterimpressionen

Zarte Gebäude-, Natur- und Winterimpressionen erwarten den Besucher in der diesjährigen Aquarell-Ausstellung der Jenaer Volkshochschule. Sie wird am 28. Februar, um 17.00 Uhr in der Bibliothek der Fachhochschule Jena eröffnet.

Die Bilder, die bis zum 20. Mai dieses Jahres zu sehen sein werden, sind Arbeiten der Teilnehmer des VHS-Kurses „Aquarellmalerei“ bei Ulrike Rochlitzer. Eines dieser Aquarelle zeigt den Forstturm in Jena, gemalt von Gitte Köcher. Mit leichter Pinselführung fing sie die Anmut eines Winter­spaziergangs zu dem 25 Meter hohen Kriegerdenkmal ein.

Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, die Aquarell-Impressionen in der Bibliothek der Fachhochschule Jena zu besichtigen – und damit vielleicht einen neuen Blick auf Altbekanntes zu erhalten.

Text: Katharina Heidecke
Foto: Volkshochschule Jena

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4. Februar 2011 | Ausstellung

“The paintings are slow and fast at the same time…”

Von Maxi Gade


Eine Ausstellung der japanischen Künstlerin Mamiko Takayanagi in der Villa Rosenthal

04.02.2011 │19.00h │Villa Rosenthal│Vernissage│Mamiko Takayanagi: „MELOW“

“…This makes me accept the painting. And this makes the painting present. One can’t ask for more.”

Diese Worte von Jerry Zeniuk über seine Schülerin Mamiko Takayanagi bringen ein wichtiges Moment im Umgang mit dem Werk der Künstlerin zur Sprache: die Zeitlosigkeit. Ob Thema, Ausdruck oder vielmehr – bleibender Eindruck, zeitlose Kunst muss nicht eintönig sein, im Gegenteil:
„Das Hauptthema ist die Farbe. Meine persönlichen Erinnerungen an eine Landschaft, die ich in die außergewöhnlichen Farbkompositionen meiner Bilder transformiere. Dabei beschäftige ich mich intensiv damit, Rhythmus und Spannung im Raum spielerisch miteinander zu verbinden und harmonisch zu verschmelzen. Die von mir gewählten Farben und Formen sind meine eigenen Gefühle, Ausdruck des Wandels der Zeit, des Augenblicks in der Natur und der Veränderung des alltäglichen Lebens. Meine besondere Leidenschaft ist eine stille, fast musikalische Veränderung innerhalb der Farbkomposition“ (Mamiko Takayanagi).

Ihre großformatigen Gemälde wirken schon auf den ersten Blick ungewöhnlich. Obwohl abstrakt, vermitteln sie doch dem Betrachter das Gefühl, dass Geschichten erzählt werden. Poetische Titel wie „Frühlingsbriese“, “Über den Wolken“ oder „Karneval in der Nacht“ unterstützen den erzählenden Charakter ihrer Werke. Monochrome Flächen, mal groß, mal zu einem Pinselstrich reduziert, werden auf der Leinwand nebeneinander angeordnet. Es entsteht im Zusammenspiel der Farben der Eindruck einer absoluten chromatischen Harmonie. Die flächig angelegten Bildgründe haben ihre eigene Räumlichkeit und entwickeln bei längerer Betrachtung eine Transparenz mit magischer Wirkung.

Mamiko Takayanagi besuchte 2003 bis 2009 die Akademie der Bildenden Künste in München und war Meisterschülerin von Professor Jerry Zenuik. Seitdem kann sie bereits auf eine rege Ausstellungstätigkeit in Deutschland und Japan und verschiedene Kunstpreise und Stipendien verweisen.

Nach der Vernissage am 04.02.2011 in der Villa Rosenthal wird die Ausstellung am gleichen Ort bis zum 01.04.2011 montags bis freitags 13.00-17.00Uhr für Besucher geöffnet sein.

Autor: Maxi Gade
Foto: www.mamikotakayanagi.com

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3. Februar 2011 | Ausstellung

Eine besondere Auslese im Kunsthof Jena

Von Stadtmagazin 07


Für alle Kunstfreunde findet heute Abend, diesen Donnerstag, dem 3. Februar, in der Galerie Kunsthof Jena die erste Ausstellung des Jahres 2011 nach der Winterpause statt. Gezeigt werden aktuelle Arbeiten der Malerin und Graphikerin Lydia Linke. Die Vernissage startet ab 20 Uhr. Die Künstlerin selbst wird auch anwesend sein.

Damit nicht nur die Augen verwöhnt werden sondern auch die Ohren wird der Gitarrist Jesus Fernandez Alvarez diesen Abend musikalisch begleiten. Tipp!

Galerie Kunsthof Jena
Ballhausgasse 3
Jena-Zentrum
www.kunsthof-jena.dewww.kunsthof-jena.de

Text: Florian Berthold
Foto: Kunsthof Jena

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29. Januar 2011 | Ausstellung

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Von Maxi Gade


Skateboard + Kunst = ?

05.02.-05.03.2011 │ Weimar │ schauschau │ Skate&Shake – Wanderausstellung

Skateboards gehören in einem bestimmten Lebensabschnitt dazu: Jugendsymbol, subkultureller Sport, seltenes Fortbewegungsmittel. Wir erwarten es in Skateparks oder an Straßenecken, manchmal nur unter dem Arm oder auf der Schulter getragen. Sie wirken lässig oder spannend, cool, wie die meisten sagen würden.

Die Kunstethnologin und Pädagogin Manou A. Wahler wagt ausgehend von diesen Vorgedanken ein Experiment:

Was passiert, wenn man das Board seinem gewohnten Umfeld entreißt, es diversen Künstlern dieser Welt als Rohmaterial zur freien Gestaltung zur Verfügung stellt? Befremdet uns ein neuer Kontext, ein Ausstellungsprojekt, eine Konfrontation mit Kunst?

Die Wanderausstellung Skate&Shake stellt genau diese Fragen und hat mehr als zwanzig Künstler aus sechs Nationen eingeladen, ein Board nach ihrer Wahl zu gestalten. Spezielle Vorgaben gab es nicht, um einer weiteren Frage nachgehen zu können: Passt der Künstler seinen persönlichen Stil dem der Subkultur an oder kann er sich von derartigen Einflüssen abgrenzen? Um eine möglichst große Vielfalt der Perspektiven auf Kunst und/oder das Skateboard zu ermöglichen, richteten sich die Anfragen an Kunstschaffende unterschiedlichster Richtungen: Illustratoren, Streetartists, Designer, Fotografen, Skulpturenbauer, Graffitiartists und viele mehr. Die entstandenen Kunstwerke reichen von Installation und Malerei, über Film, bis hin zu Skulptur, Plastik und Fotografie.

Entstanden ist ein Ausstellungsexperiment, das den zum Usus gewordenen Kontext Skateboard und Skateszene zu brechen und neu darzustellen versucht. Der Besucher trifft im ungewohnten Umfeld auf einen (vorurteilsbelasteten?) Alltagsgegenstand und macht sich selbst in seiner Reaktion zum Teil des Projektes.

Das schauschau befindet sich am Graben 29 in Weimar. Geöffnet ist Montag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr sowie Samstag 10 bis 14 Uhr.

Autor: Maxi Gade
Foto: Manou A.Wahler

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11. Januar 2011 | Ausstellung

Den Spiegel vorhalten

Von Maxi Gade


Kay Voigtmann stellt wiederholt in Jena aus

14.01.2011│20.00h│Kunsthandlung Huber & Treff│Kay Voigtmann│“Popanz“ – Vernissage

Der Begriff Popanz [´po:pants] (aus ostmitteldeutsch popenz, wahrscheinlich von tschechisch bubák, „Gespenst, Trugbild, Kobold“) oder von italienisch pupazzo, „Marionette“) beschreibt eine nicht ganz ernst zu nehmende Schreckgestalt oder sogar eine spaßige Figur bzw. Strohpuppe, beispielsweise eine Vogelscheuche.

Soweit klärt uns das Onlinenachschlagewerk Wikipedia auf. In etwa trifft das den Ausstellungsinhalt ganz gut: Vom 14.01. bis zum 27.02. stellt der Illustrator Kay Voigtmann unter dem Titel „Popanz“ seine Werke in der Kunsthandlung Huber & Treff aus. Die „Schreckgestalt“, „Vogelscheuche“ oder „spaßige Figur“ nimmt bei Voigtmann dabei eine zentrale Rolle ein. Zwischen Mystik und Poesie strahlt sie einen durchaus als skurril zu bezeichnenden Charme aus.

Dezent offenbaren seine „Kartoffelmenschen“ Kritisierungswürdiges, Anstößiges – vielleicht aber auch nur allzu menschliche Fehler, die jeder kennt. Ihr Reiz besteht in einer Detailliertheit, die länger trägt, als einen kurzen Augenblick.

Kay Voigtmann arbeitet mittlerweile freischaffend in Gera, nicht ohne vorher eine Feinmechanikerlehre und ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig absolviert zu haben. Vorrangig ist er in seiner Funktion als Grafikdesigner und Illustrator tätig und veröffentlichte auf diesem Weg u.a. kleine Auflagen (z.B. in der Büchergilde Gutenberg) oder Unikatbücher (burgart-Presse).

An diesem Freitag, den 14.01. gibt es in der Charlottenstraße 19, Jena, eine weitere Möglichkeit, Bilder von Kay Voigtmann zu erstehen – ab 20 Uhr lädt die Kunsthandlung Huber & Treff zur Vernissage.

Autor: Maxi Gade
Foto: Kunsthandlung Huber & Treff

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25. November 2010 | Ausstellung

Orange-Typ mit Sehnsucht nach Blau

Von Stadtmagazin 07

Hans Peter Reuter stellt im Jenoptik-Foyer aus.

„Ich habe mir Blau nicht ausgesucht, Blau hat sich mich ausgesucht“, sagt der Maler Hans Peter Reuter zur Beziehung zu „seiner“ Farbe. An die 40 Jahre sind es inzwischen her, dass gerade diese Farbe, die für Verlässlichkeit aber auch für Harmonie und Romantik steht, von ihm Besitz ergriff. Gemeinsam mit Quadrat und Raum bildet sie seitdem eine von drei Konstanten in seinen Arbeiten. Seine menschenleeren, oft großformatigen blauen Raumbilder sind Klarheit und räumliche wie seelische Tiefe gleichermaßen eingeschrieben. Mit „Kathedralen des Lichts“ sind sie verglichen worden, um ihre suggestive Anziehungskraft in Worte zu fassen. Dem Künstler selbst, der in den 1960er Jahren bei Emil Schumacher studierte und später über zwei Dekaden als Professor an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste lehrte, haftet seit Mitte der achtziger Jahre der Beiname „Der blaue Reuter“ an, als er begann, seine surrealistisch anmutenden Raumlichtarchitekturen in einem tiefblauen Ultramarin zu vermessen.

Viel gemein hat das jetzt im Jenoptik-Foyer des Ernst-Abbe-Hochhauses ausgestellte Werk mit diesen Be- und Zuschreibungen nicht, auf den ersten Blick zumindest. Das assemblagehafte Bild „Was von den Sternen übrig blieb“ bedient sich zwar ebenso dieses, wie er sagt, „dienstbaren Geistes“, spielt mit Raum und Licht und bricht doch aus der bisherigen Welt klar konturierter, quadratisch-gerasterter, zweidimensionaler Bildräume aus. Gleich „Trümmern eines kosmologischen Schaffensprozesses“, wie sie der Kunsthistoriker Dr. Dietmar Schuth ausmacht, breiten sich auf einer wandfüllenden Fläche chaotisch wirkende Strukturen aus unzähligen geometrischen Drei- und Vierecksformen aus, die indes von einem monochromen, ultramarinen Farbstrom gleichsam in wohlgeordnete Weltenbahnen gelenkt werden. Eingefangen in einem tiefen weißen Kastenrahmen schwebt die große blaue, zerklüftete Erscheinung gleichsam vor sich hin. Eingefangen, „geerdet“ quasi, wird auch das drängende Temperament des Künstlers selbst. Er sei ein Chaot, sagt Hans Peter Reuter von sich, farbpsychologisch ein Orange-Typ, doch mit einer inneren Sehnsucht nach Ruhe, Klarheit und Ordnung, einer Sehnsucht nach Blau.

Ganz irdisch hingegen gestaltet sich die Entstehungsgeschichte des Werks. Sie besteht aus Rest- und Bruchstücken, die Reuters 2002 geschaffene Rauminstallation „Kaiserblau“ im Kaisersaal des Reichstagspräsidentenpalais in Berlin hinterließ. Eine Galaxie von 7917 blauen, aus Leichtschaum gefertigten Würfelsternen hatte der Maler damals an die Wände des Saales projiziert. In die Vorgeschichte dieser Installation wiederum reiht sich die erste künstlerische Begegnung des 1942 in Schwenningen am Neckar geborenen Künstlers mit Jena und zur Jenoptik ein. „Eine meiner verrücktesten Arbeiten“, wie er sich heute erinnert, führte ihn bereits vor elf Jahren nach Jena. Auf Einladung des damaligen Jenoptik-Chefs Lothar Späth, mit dem er seit den 1980er Jahren freundschaftlich verbunden ist, ließ er bei laufender Fertigung in einer Produktionshalle der heutigen CyBio AG „Cyber-Sterne“ fliegen und löste den Raum mit einer scheinräumlichen Würfelprojektion in himmlische Sphären auf.

bis 31. Januar 2010
Foyer der JENOPTIK AG
Carl-Zeiß-Straße 1
Ernst-Abbe-Hochhaus

Öffnungszeiten:
Mo – Do 10 bis 17 Uhr
Fr 10 bis 15 Uhr

Text: Andreas Klossek
Fotos: Andreas Klossek;
Hans Peter Reuter: “Kaiserblau“, 2002, Kaisersaal des Reichstagspräsidentenpalais

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17. November 2010 | Ausstellung

Hände erzählen

Von Maxi Gade


… ab 23. November im Aulafoyer der FH Jena.

Am Dienstag, den 23. November 2010 wird in der Fachhochschule Jena die neue Ausstellung des FOTO-Klubs JENA’78 eröffnet, in der sich Fotografen einem alltäglichen Thema aus außergewöhnlichen Perspektiven annähern: Hände, die etwas zu erzählen haben.

Die Ausstellung, die bis zum 31. Januar 2011 im Foyer vor der Aula (Haus 4) zu sehen sein wird, lässt viele Hände sprechen – Hände bei unterschiedlichen Tätigkeiten, von unterschiedlichem Alter, Hände in den unterschiedlichsten Formen, ob als Teil vom Denkmal, als Kunstobjekt, Wegweiser oder Schattenspiel.

Es gibt viel zu erzählen: in der Bewegung, im Gefühl und in der Gestik ist ihre Ausdrucksstärke scheinbar unbegrenzt. So können sie geben und nehmen, festhalten und loslassen, formen und zerstören, trösten und abweisen. Sie erzählen Lebensgeschichten, ermöglichen Taubstummen das Sprechen und erzählen Blinden von der Welt.

Die Ausstellung lädt dazu ein, diese Ambivalenz und das Besondere hinter der Selbstverständlichkeit zu entdecken und dabei vielleicht auch die eigenen Hände neu zu betrachten.

Die Vernissage findet am Dienstag, den 23. November 2010 um 17.00 Uhr im Aulafoyer von Haus 4 statt. Die Ausstellung ist vom 23. November bis zum 31. Januar 2011 in der Fachhochschule Jena, Haus 4, Foyer vor der Aula zu sehen.

Autor: Maxi Gade
Foto:Volker Klaukien – Töpferhände

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15. November 2010 | Ausstellung

„Ja, in der Tat, ich lebe noch,…“

Von Maxi Gade


Anne Frank-Ausstellung kommt nach Jena

06.01.-11.02.2011 IGS Grete Unrein

„…aber frage nicht, wo und wie“. Die  Tagebucheintragungen eines jungen Mädchens zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs haben bis heute ihre herausragende Bedeutung erhalten können: Schließlich lesen wir Erfahrungen und Historie ab, spüren Gefühlen nach und erhalten zumindest kurzzeitig Einblick in das subjektive Erleben Anne Franks. Was sie in Worte packen konnte, ist heute schwieriger denn je greifbar zu machen. Das Erleben des Nationalsozialistischen Regimes scheint dazu gegenwärtig für junge Generationen nur noch bedingt von Belang zu sein (vgl. Darstellungen des ZEITmagazins der Ausgabe vom 04.11.2010). Um die Ohnmacht vor dem großen Ganzen zu unterbinden, ist es gerade der personalisierte Blick auf das Einzelgeschehen, der hilft, die Auseinandersetzung mit der Shoah zu fördern.

Die Wanderausstellung des Anne Frank Zentrums Berlin „Anne Frank – eine Geschichte für heute. Demokratiekompetenz vor Ort“ erzählt über die Shoah anhand dieser persönlichen Lebensgeschichten. Die Erfahrungen von Anne Frank, ihrer Familie und anderen Zeitzeugen sollen Besucherinnen und Besucher herausfordern, über Unterschiede und Parallelen zwischen Gestern und Heute nachzudenken und sich aktiv mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung wird Mittelpunkt eines vielfältigen und für die Stadt individuell entworfenen Rahmenprogramms sein. Von vielen Jenaer Akteuren und Initiativen gemeinsam getragen bietet es eine Vielzahl von Angeboten für Menschen aller Generationen.

Weitere Informationen dazu unter: www.kokont-jena.de.

Einzigartig ist auch das Ausstellungskonzept „Jugendliche begleiten Jugendliche“, welches an Stelle einer Führung eine Ausstellungsbegleitung durch Schüler vorsieht und einen Dialog gerade junger Generationen ermöglicht.

Zur Vorbereitung der Begleiterinnen und Begleiter dient ein zweitägiges Trainingsseminar, an dem interessierte Jugendliche und SchülerInnen teilnehmen können. Unter der Leitung eines Teamers/einer Teamerin vom Anne Frank Zentrum Berlin werden der historische Hintergrund, die Ausstellung selbst und der Umgang mit Gruppensituationen erarbeitet.

Interessierte Schüler ab 16 Jahre sind angehalten, sich sofort als  Austellungsbegleiter unter www.kokont-jena.de zu melden.

Autor: Maxi Gade
Foto: KoKont Jena

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10. November 2010 | Ausstellung

Jenaer Keramikerin gerät in den “Rückblick”

Von Maxi Gade


Das Bürgeler Keramik-Museum widmet Ulli Wittich-Großkurth eine Retroperspektive.

Am Sonnabend, dem 13. November 2010, eröffnet um 15.30 Uhr das Keramik-Museum Bürgel die neue Sonderausstellung zum Lebenswerk der Jenaer Keramikerin Ulli Wittich-Großkurth.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über das sechs Jahrzehnte umfassende Schaffen der Meisterin, die sich vor allem im Bereich der Gefäßkeramik und bauplastischer Arbeiten einen Namen gemacht hat. Ulli Wittich-Großkurth hat bei Paul und Walter Gebauer in Bürgel die Töpferlehre absolviert und war danach noch mehrere Jahre in dieser Werkstatt angestellt. 1957 gründete sie in ihrer Heimatstadt die „Töpferklause“, die heute von Sohn Lorenz weitergeführt wird.

Vielen Kunden sind die hellen, mit kleinen blauen Blüten besetzten Gefäße zu einem unverkennbaren Markenzeichen geworden (Foto: Ziergefäß mit Wickeldekor, 1979). Andere wiederum schätzen die Mangan-Kupfer-Glasuren, mit denen die Künstlerin einen an Bronzeskulpturen erinnernden Effekt erzielt. Eine Besonderheit der Ausstellung bildet die Präsentation einer preisgekrönten keramischen Raumausstattung, die von der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha ausgeliehen werden konnte.

Die Retrospektive des äußerst vielgestaltigen Werkes ist bis zum 27. Februar zu sehen. Neben dem Katalog in der Museumsreihe wird auch eine Sonderedition kleiner Zierdosen angeboten.

Weitere Informationen gibt’s unter www.keramik-museum-buergel.de.

Autor: Maxi Gade
Foto: Wolfgang Philler

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