21. März 2013 | Bühne

Premieren DNT Weimar

Von Stadtmagazin 07

I. Der Trost der Dinge – Shakespeares Sonette

Premiere am 22. März 2013, 20:00 Uhr, e-werk


Wer Anerkennung sucht, der ist gefährdet – wer einsam ist, arm dran. Wir wollen gehört werden, gemocht, geliebt, behütet und begehrt. Weil aber Zurückweisung weh tut, liebt sich am leichtesten, was fern ist oder nicht widersprechen kann – ein Ideal, ein Traum, ein Schoßhund, eine Internetbekanntschaft. Dass die heute durch individuelle Mobilität und Flexibilität verbreitete Fernliebe eine gute Möglichkeit ist, sich nicht allein zu fühlen, aber den Niederungen eines gemeinsamen Alltags zu entgehen und sehnsüchtige Phantasien zu hegen, wusste schon Shakespeare.

In den 154 Sonetten seines 1609 herausgegebenen Gedichtbandes bezieht sich ein Ich obsessiv auf ein meist fernes Du, das es in genussvollem Schmerz zu lieben vorgibt und dem es sich restlos unterwerfen möchte. Ansprüche an den Anderen werden nicht gestellt, denn „Liebe hat ja weder Recht noch Grund“ (Sonett 49), so frei ist schließlich das Herz. Das Leiden gehört hier zum Programm und das Nachlassen der Liebe des angebeteten Du ist nur eine Frage der Zeit. Doch hier scheitern keine Lebensentwürfe – die Liebe ist ein Spiel. Gefühle und deren Abgründe werden von Shakespeare wortreich zelebriert und die Spielregeln mit nützlichen Hinweisen serviert: Aus Mitgefühl Liebe auch mal heucheln und immer wieder schweigen, um für den Anderen interessant zu bleiben.

Vierhundert Jahre später erscheint uns die Liebe weniger spielerisch als bitterer Ernst in der Frage nach dem richtigen Leben, und wenigstens hier soll alles echt sein, wir verlangen nach totaler Nähe und Authentizität. Das einzigartige Glück der wahren Liebe soll gegen die Bedrohungen einer mitleidlosen Welt stärken und wärmen, eine kuscheligen Komfortzone der Intimsphäre bereiten, in der wir die – von keiner Leistung und Performance abhängige – totale Bestätigung unseres gehetzten Selbst finden. Ist das zu viel verlangt? Der Trost der Dinge – Shakespeares Sonette observiert Privatnischen, gibt Neurosen eine Bühne und öffnet einen installativen Aufführungsraum mit „echter Fiktion“ für alle, die Nahweltbedarf haben.

Regisseur Michael von zur Mühlen inszenierte in dieser Spielzeit bereits „Die Nibelungen“ nach Hebbel im e-Werk des DNT Weimar; 2010/11 stellte er sich mit einer viel beachteten eigenwilligen Interpretation von Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ dem Weimarer Publikum vor.

II. Onkel Wanja

Premiere am 23. März 2013, 19:00 Uhr, Großes Haus


Onkel Wanja. Vier Bilder aus dem Landleben ist Anton Tschechows kürzestes, kleinstes, trockenstes, witzigstes Drama, in dem nichts wie in seinen anderen Stücken zwischen den Zeilen ungesagt bleibt, sondern alles offen ausgesprochen wird. In der Provinz auf dem Gut der ersten verstorbenen Frau des Professors versammelt sich eine Gruppe verzweifelter Episodenmenschen, die alle eine unendliche Sehnsucht zu leben im Kopf haben, aber an den schrecklichen Begrenzungen scheitern, die das Leben ihnen antut. Der Professor im Ruhestand hat als Wissenschaftler nichts erreicht, seine zweite junge Frau hätte lieber einen jungen als einen alten Mann geheiratet, Wanja fühlt sich mit Mitte vierzig schon uralt, der Arzt Astrow weiß, dass er niemanden je heilen wird, das junge hässliche Mädchen Sonja liebt ihn, er aber liebt die Frau des Professors, die wiederum niemanden liebt. Tschechow beschreibt gnadenlos die Banalität des kleinen falschen Lebens und zeigt uns Menschen, die einen kurzen Sommer lang ihre Ordnung des Alltags durcheinanderwirbeln, bis dann von allen der Kompromiss der Gewohnheit wieder hergestellt wird: „Man muss nun mal leben, auch wenn mans gar nicht will…vielleicht gehts danach weiter. Ganz anders. So wie wir uns vorgestellt haben, dass es eigentlich sein müsste.“

Es inszeniert Corinna von Rad, in Weimar bekannt durch ihre Inszenierungen von Shakespeares Sturm im Schauspiel und Alcina von Händel in der Oper. Zuletzt brachte sie am Theater Basel The Black Rider von Tom Waits heraus.

Texte: Rebekka Mönch
Foto: DNT Weimar

20. März 2013 | Musik

Jazzclubtanzparty in der Perle

Von Stadtmagazin 07

Am 22.03.2013 um 20 Uhr findet eine außergewöhnliche Veranstaltung unter dem Namen “Sabine will tanzen!” statt. Die Herren vom Jazzclub International präsentieren im Rahmen der Jazzbox zwei Heinze als DJs –hinter den Decks. Heinz Afrika und Karl-Heinz-Vogt. Der Eintritt ist FREI.

die-perle.com
www.jazzclub-international.de


Grafik: skop

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19. März 2013 | Musik

Klangkino

Von Stadtmagazin 07


Ausgereifter Indiepop im Theatercafé mit My Sister Grenadine.

Es ist My Sister Grenadines drittes Album, das den Anstoß für eine neuerliche musikalische Reise gibt und das Berliner Trio unter anderen auch am 22. März ins Theatercafé führt.

Vor allem das Spiel mit Sprache und Klang, mit Nah und Fern ist es, das auf „Spare Parts“ noch ausgefeilter, noch vielseitiger wirkt – in seiner Komposition Reife ausstrahlt, ohne dabei das spielerische Element einzubüßen. Und es drei hervorragenden Musikern verdankt, dass diese Theatralik auf der Bühne perfekt zur Entfaltung kommt. Spätestens wenn das musikalische Dreieck um Vincenz Kokot, der die Ukulele gleichermaßen leidenschaftlich zupft wie filigran beherrscht, im nächsten Moment Schreibmaschinen sprechen oder Sägen singen lässt, dann ergibt man sich dieser kindlichen Faszination wie einer wehmütigen Erinnerung an ersten Zirkusbesuch.

VVK in der Jenaer Bücherstube am Johannistor und in der Touristinformation Jena.

My Sister Grenadine + Support: Canned Applause
Freitag, 22.03.2013, Theatercafé Jena, Beginn 22 Uhr

Text: Stefan Haake
Bild: Mark Benini

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12. März 2013 | Kino, Kultur

Stummfilmkomödie mit Live-Musik

Von Stadtmagazin 07

Staatskapelle Weimar begleitet Vorführung von Buster Keatons “The General” am 15.3.2013 im DNT Weimar.

“Film ab” heißt es am Freitag, 15. März 2013, um 19.30 Uhr wieder im großen Haus des Deutschen Nationaltheaters Weimar. In Zusammenarbeit mit der Europäischen FilmPhilharmonie flimmert dort an diesem Abend im Filmkonzert die Stummfilmkomödie “The General” von und mit dem legendären Komiker Buster Keaton aus dem Jahr 1926 über die bühnenraumfüllende Leinwand. Unter der Leitung von Martin Hoff spielt die Staatskapelle Weimar dazu live die Filmmusik des amerikanischen Komponisten Carl Davis, der den Klassiker 1987 neu vertont hat.



Buster Keaton, wegen seines unbeweglichen Gesichtsausdrucks auch “The Stoneface” genannt, gilt neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd als einer der größten Komiker der amerikanischen Stummfilm-Ära. Sein Film “The General”, entstanden auf der Höhe seines Ruhms, war eine der aufwendigsten und teuersten Produktionen der damaligen Zeit, fand aber nur wenig Anklang beim zeitgenössischen Publikum und der Kritik. Ende der 50er Jahre wiederentdeckt, wird das epische Werk aufgrund seiner stringenten Dramaturgie und ambitionierten Bildgestaltung heute zu den bedeutendsten Komödien der Filmgeschichte gezählt. Im Mittelpunkt steht der Lokführer Johnnie Gray, gespielt von Buster Keaton, der zwei große Leidenschaften hat: seine Lokomotive “The General” und die reizende Annabelle Lee. Als beide während des amerikanischen Bürgerkriegs von Unionssoldaten entführt werden, nimmt Johnnie im Alleingang die Verfolgung auf. Einfallsreich erobert er sowohl Frau als auch Lok zurück und leistet ganz nebenbei einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Südstaatler.

Vor dem Konzert findet um 18.45 Uhr im Foyer I eine Einführung statt.

Bereits am Vormittag haben Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 9 die Gelegenheit die Filmkomödie um 11 Uhr im Schülerkonzert der Staatskapelle Weimar zu erleben. Für beide Filmvorführungen gibt es noch Karten an der Theaterkasse des DNT Weimar.

www.nationaltheater-weimar.de

Text: Susann Leine
Foto: DNT Weimar

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12. März 2013 | Musik

Bandcontest der VITA COLA Clubtour 2013

Von Stadtmagazin 07


Bevor die Siegerband auf Tour geht, gibt es ein professionelles Bandcoaching.

Noch bis zum 28. April können sich Nachwuchsbands aus ganz Deutschland für die VITA COLA Clubtour 2013 bewerben. Auf die Gewinner warten wieder tausende tanzwütige Fans auf insgesamt sechs Semestereröffnungspartys in ostdeutschen Hochschulstädten. Bei so viel Rampenlicht und Öffentlichkeit will jede Band natürlich eine Wahnsinns-Show abliefern. Die Sieger des diesjährigen Bandwettbewerbs können sich perfekt auf die sechs Clubtour-Konzerte vorbereiten. Professionelle Unterstützung gibt es von Bandcoach Torsten Wiegel und seinem Team vom Jugendzentrum Steinhaus e.V. Bautzen. Wiegel hat u. a. Silbermond bei ihren ersten Schritten zum Erfolg begleitet und wird der Band ein maßgeschneidertes Workshop-Programm zusammenstellen. Egal ob die Nachwuchsmusiker einen Song neu arrangieren, an ihrer Bühnenperformance arbeiten,
ihren Gesang optimieren oder in die Tiefen des Bandmanagements eintauchen wollen, mit dieser Vorbereitung werden die Gewinner dem Publikum im Oktober ordentlich einheizen.

Für alle hoffnungsvollen Nachwuchstalente haben wir vorab schon mal 7 Tipps vom Profi Torsten Wiegel:

1. Glaubt an eure eigene Kreativität, entwickelt einen eigenen Stil, statt Andere zu covern.

2. Verbiegt euch nicht für den Erfolg, sondern macht Musik, an die ihr glaubt. Nur wer was zu sagen hat, der wird auch gehört.

3. In einer Band ist kein Platz für Leute, die sich profilieren wollen, eine Band muss als Einheit funktionieren.

4. Der Weg zum Ruhm ist lang und steinig. Wie überall im Leben ist Training das Wichtigste, denn Übung macht den Meister.

5. Ein guter Musiker zu sein, ist Pflicht. Die große Kür ist es hingegen, sich auch professionell zu verkaufen.

6. Nur auf der Bühne Spaß zu haben reicht nicht, auch im Publikum muss Party sein. Holt euch Rat und Hilfe von Leuten mit Bühnenpräsenz.

7. Hütet euren musikalischen Proviant vor „Schnittendieben“ – falsche Freunde und schlechte Berater lauern überall.

Text: Florian Berthold
Foto: Vita Cola

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12. März 2013 | Bühne, Musik

Die Erfinder der Langsamkeit

Von Stadtmagazin 07

Bohren & der Club of Gore beehren Jena! Ohne neues Album zwar, dafür mit dem etwas anderem Jazzkonzert: am 16. März im Theaterhaus. Wer hat Angst im Dunkeln?

1988 finden sich die Schulfreunde Thorsten Benning (Schlagzeug), Robin Rodenberg (Bass), Reiner Henseleit (Gitarre) und Morten Gass (Piano/Orgel) zum gemeinsamen Musizieren zusammen. 1992 erhält die Formation den Namen „Bohren“, ein Jahr später erweitert man diesen in Anlehnung an die niederländische Instrumentalband „Gore“ um „& der Club of Gore“.


„Bohren klingen als würden sie sich im Dunkeln bewegen, Arme ausgestreckt, Augen geöffnet, auf der Suche nach dem Lichtschalter.“

Nach einer ersten EP erscheinen zwei Alben, bevor sich Reiner Henseleit und mit ihm die Gitarre unwiederbringlich aus der Musik Bohrens verabschiedet. 1997 schließt sich dafür Saxophonist und Pianist Christoph Clöser der Gruppe an und komplettiert die bis heute in dieser Konstellation bestehenden „Bohren & der Club Of Gore“.

Drei weitere Alben werden veröffentlicht, bevor mit „Dolores“ die erste CD beim einflussreichen belgischen Label PIAS (u. a. Mogwai, Sigur Ros) erscheint. Die internationale Aufmerksamkeit wächst – mit „Mitleid Lady“ wird 2009 ein Stück veröffentlicht, das an einem Tag aufgenommen und gemischt, im Rahmen einer limitierten Serie beim Londoner Label Southern erscheint. Die letzte Veröffentlichung „Beileid“, bei der Mike Patton als Gastsänger auftritt, datiert aus dem Jahr 2011.

Wo immer wieder Bands bestehende Genres scheinbar neu erfinden, haben Bohren & der Club Of Gore genau das geschafft. Musik ersonnen, die es in der Form zum Zeitpunkt des Erscheinens noch nicht gab: Musik, die sich schleichend, fast quälend fortbewegt, die unter Einsatz der verschiedenen Instrumente hin und wieder punktuell ’Akzente’ setzt und trotzdem nichts von ihrer Langsamkeit verliert, diese dadurch vielmehr noch zusätzlich unterstreicht. Dabei bleiben die Songs zwar stark reduziert, bestehen aber, wenn man der Band Glauben schenken darf, nach wie vor aus Melodien, Strophen und Refrains – die sich gekonnt verstecken.

Sucht man nach Referenzen und Stichworten, um diese einzigartige Band zu verorten, landet man unweigerlich im Bereich der Filmmusik, vorzugsweise im surrealen Werk eines David Lynch. Im nächsten Augenblick fällt häufig der Begriff ’Jazz’ – doch übersieht man dabei glatt, dass Bohren ohne das improvisierende Element auskommt. Dennoch bekommt man sie mit ’Horror-Jazz’ oder ’doom ridden jazz music’ schon gut zu fassen. Mehr als empfehlenswert ist allerdings, sich selbst ein Bild zu machen – am 16. März im Theaterhaus.

VVK ohne Gebühr in der Jenaer Bücherstube am Johannistor sowie in der Jena Tourist-Information und im Woodstock Recordstore in Erfurt.

Bohren & der Club Of Gore + Support: Novo Line
16.03.2013, Theaterhaus Jena, Hauptbühne, Sitzkonzert
Einlass 20 Uhr, Beginn 20:30 Uhr

Text: Stefan Haake
Bild: Bohren & der Club of Gore

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1. März 2013 | Gedruckte Ausgabe

Neues Magazin: jetzt erhältlich!

Von Stadtmagazin 07


Die neue Ausgabe 44: März 2013 unseres Magazins finden Sie kostenlos an den gewohnten Auslagestellen und im Abo.

Viel Spaß beim Lesen!

Sie können diese auch in unserem Downloadbereich als PDF herunterladen.

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