30. Mai 2012 | Musik

PAVILLONGEFLÜSTER mit My Sister Grenadine

Von Stadtmagazin 07


Am Donnerstag, den 31.05.2012, treten im Jenaer Paradies im Glashaus ab 21 Uhr My Sister Grenadine (Berlin) vom Label Solaris Empire auf. Vincenz Kokot und seine beiden Mitmusiker schaffen es mit bemerkenswerter Leichtigkeit wundervoll arrangierten und stromlos vorgetragenen Songs jede Komplexität zu nehmen. Neu sind an diesem Donnerstag ›nur‹ die bisher unveröffentlichten Songs, die im Akustikgewand zum Leben erweckt werden und gekonnt zwischen Pop, Poesie und Performance wandeln. Support ist Maxim Lichtenwald, ein Singer/Songwriter mit experimentellen Zügen aus Weimar, sowie Canned Applause aus Schwerin.

Musikalische Links:
mehr über My Sister Grenadine: www.mysistergrenadine.com
mehr über Maxim Lichtenwald: soundcloud.com/maxim-lichtenwald
mehr über Canned Applause: soundcloud.com/canned-applause

Vorverkauf 6 € / Abendkasse 8 €
Vorverkaufsstellen: Jenaer Bücherstube (Am Johannistor), Radsport Ritzel (Saalbahnhofstraße 10) und direkt im Mshi (Johannisstraße).

Text: Florian Bethold
Bild: Toci was here

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25. Mai 2012 | Bühne

Von Stadtmagazin 07

25. Mai 2012 | Freizeit, Kultur

Würzig-bunter Farbenrausch: Indien zu Gast in Jena

Von Stadtmagazin 07


Bereits zum achten Mal reist das Festival de Colores durch die weite Welt. In diesem Jahr macht es vom 31. Mai bis 10. Juni 2012 in Indien Halt. „Rangoli – die Farben Indiens“ zeigt innerhalb von zehn Tagen ein buntes Programm aus Konzerten, Vorträgen, Kulinarischem und Tänzen.

Es ist vielleicht das farbenfrohste und abwechslungsreichste Festival, das Jena zu bieten hat: das Festival de Colores. Ab dem 31. Mai begibt sich das „FdC“ unter dem Titel „Rangoli – die Farben Indiens“ auf eine musikalische, literarische aber auch kulinarische Entdeckungsreise durch das auch gern als Subkontinent bezeichnete riesige südasiatische Land.

Eine perfekte Einstimmung auf zehn Tage „Indien mit allen Sinnen“ bildet am Donnerstag, 31. Mai, ein klassisches Raga-Konzert der Gruppe „jugalbandi“ in der Friedenskirche, das die Zuhörer mit Klängen von Sitar, Tabla und Tanpura in seinen Bann ziehen wird. Wer es musikalisch ausgelassener und schweißtreibender mag, der kommt zur Glashausparty am Freitag, 8. Juni, auf seine Kosten. Banghra, Desi, HipHop, House und Goa animieren zu rhythmischen Bewegungen und versprechen eine zauberhaft lauschige und durchtanzte Sommernacht. Den Höhepunkt des Festivals bildet am Donnerstag, 7. Juni 2012, ein aufregend-anregender Galaabend, der mit kulinarischen Gaumenfreuden lockt und in die einzigartige und jahrhundertealte Welt des indischen Tanztheaters Katakhali entführt.

Literarische Impressionen erwartet die Besucher bei einer heiteren Lesung mit dem indischen Autor Anant Kumar und einer Stop4Lesung, die an vier literarischen Orten schmackhafte Lesehäppchen aus dem traditionellen und zeitgenössischen Leseschatz Indiens offeriert. Freunde des indischen Kinos erwartet eine Kurzfilmnacht im Kunsthof und der Filmklassiker „Sholay“ von Indiens Star-Regisseur Ramesh Sippy im Cafè Wagner.

Gedacht ist selbstverständlich auch an die kleinen Festivalgäste: So öffnet die Abbe-Bücherei ihre Türen für eine Kinderlesung und das KuBus in Lobeda-West wird am zweiten Juni-Samstag zum Schauplatz eines bunten indisches Familienfestes, das mit verschiedenen Bastel- und Wissensstationen lockt und die Chance bietet, Bekanntschaft mit indischen Tänzen oder dem indischen Nationalsport Cricket zu machen.
Der Ausklang des Festival gestaltet sich auch in diesem Jahr kulinarisch: in Kooperation mit WinD Jena und dem Eine-Welt-Netzwerk Thüringen (EWNT) lädt das Festival am 10. Juni im Garten des EWNT in der Gutenbergstraße 1 zum fairen und ökologisch-nachhaltigen Sonntagsfrühstück. Feinschmecker und solche, die es werden wollen, können sich auf unbekannte und außergewöhnliche Kostproben der indischen Küche und bei Lassi und Chai auf Infos aus erster Hand, coole Musik und Horizont erweiternde Gespräche mit reise- und auskunftsfreudigen Leuten freuen.

Genaue Infos zu Terminen und Veranstaltungsorten unter www.festival-de-colores.de

Text: Andreas Klossek
Bilder: Festival de Colores

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23. Mai 2012 | Allgemein

Als Wernesgrüner Botschafter ab nach London!

Von Stadtmagazin 07


Die Pils Legende aus Sachsen sucht zusammen mit dem Olympiasieger und fünffachen Weltmeister Lars Riedel die zwei Gewinnerteams, die als Wernesgrüner Botschafter Anfang August zu den Spielen nach London reisen.

Vom 27. Juli bis 12. August 2012 schaut die Welt gebannt nach London. Wenn sich internationale Sportler, Medien und Fans für drei Wochen auf der britischen Insel treffen, ist auch Wernesgrüner dabei. Die ’Pils-Legende’ aus Sachsen ist bei diesen Olympischen Spielen exklusiver Bierpartner des Deutschen Hauses sowie beim ’Deutschen Haus Fan Fest London 2012’. Andreas Reimer, Geschäftsführer der Wernesgrüner Brauerei präzisiert hierzu: „Wir exportieren nicht nur unser Wernesgrüner Bier, sondern auch die damit verbundene Kultur und Lebensfreude: Auf dem Fan Fest können Sportfreunde aus aller Welt erleben, wie wir in Deutschland genießen und feiern“.
Axel Achten, Geschäftsführer der Deutschen Sport-Marketing GmbH, die das Deutsche Haus für den DOSB ausrichtet, ergänzt: „Das Deutsche Haus und das Deutsche Haus Fan Fest sind optimale Plattformen, um sich als weltoffener und herzlicher Gastgeber zu präsentieren. Wernesgrüner ist dabei ein idealer Partner, um unseren internationalen Gästen authentische Atmosphäre und kulinarischen Hochgenuss zu garantieren“.

Wer diese Stimmung in London live miterleben und dazu beitragen möchte, deutsche Bierkultur international zu repräsentieren, hat jetzt die Chance, etwas Besonderes zu erleben: Wernesgrüner sucht gemeinsam mit dem Olympiasieger sowie fünffachen Weltmeister im Diskuswerfen, Lars Riedel, die Wernesgrüner Botschafter für London.
Gefragt sind hierfür herzliche und offene Charaktere – egal, ob Männer oder Frauen – die im August in London der Welt zeigen, was die Brau- und Feierkultur made in Germany einfach legendär macht. Sie sind sowohl am Stammtisch wie auch am Zapfhahn in Aktion, kommen mit internationalen Gästen ins Gespräch und sorgen so dafür, dass auch bei den Briten und den Gästen aus der ganzen Welt alles im grünen Bereich ist. Gastronomische Vorkenntnisse sind dabei nicht nötig. „Es kommt vielmehr darauf an, dass das Herz am rechten Fleck sitzt und die Bewerber Spaß daran haben, mit internationalen Gästen in Kontakt zu kommen“, erklärt Andreas Reimer.


Vom 1. bis 24. Juni können sich Sportfans und Bierliebhaber mit jeweils zwei Freunden auf www.wernesgruener.de für die Reise bewerben. Die Jury, bestehend aus Lars Riedel sowie Wernesgrüner-Profis aus den Bereichen Braukunst und Gastronomie, lädt die fünf überzeugendsten Teams dann Anfang Juli zum Finale nach Wernesgrün ein. Die beiden Trios, die an diesem Tag mit Geschick und Persönlichkeit in den Wernesgrüner Bier-Disziplinen punkten, gewinnen schließlich die Tour an die Themse. „Wir haben uns einige Aufgaben überlegt, die die Botschafter-Anwärter auch mal mit einem Augenzwinkern auf die Probe stellen werden“, so Lars Riedel. „Meine Erlebnisse bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 und Sydney 2000 haben mir gezeigt, wie wichtig Teamgeist und das gemeinsame Erleben vor Ort sind“, sagt der Zwickauer. „Deshalb unterstütze ich so eine Aktion natürlich besonders gerne!“

Vom 3. bis 5. August heißt es dann: Start der „Mission for London“! Für die zwei Botschafter-Teams wird es für drei unvergessliche Tage direkt ins ’Wohnzimmer’ der Deutschen Olympiamannschaft gehen: ins Deutsche Haus, den Treffpunkt der Sportler und ihrer prominenten Fans. Als weiteres Highlight winkt den Gewinnern darüber hinaus der Besuch eines Leichtathletik-Wettkampfes im neuen Londoner Olympiastadion.

Text: Florian Berthold
Bilder: Köstritzer

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15. Mai 2012 | Bühne

Die zerstörerische Logik der Gewalt

Von Stadtmagazin 07


Das Deutsche Nationaltheater Weimar präsentiert mit „die troerinnen“ eine eindrucksvolle Neubearbeitung des großen, klassischen Stoffes von Euripides. Premiere am 17. Mai.

Troja ist gefallen. Alles liegt in Schutt und Asche. Die überlebenden Frauen warten am Strand darauf unter den griechischen Heerführern als Sklavinnen und Kriegstrophäen verlost zu werden. Im Mittelpunkt steht Hekabe, die Königin von Troja, der alles genommen wurde: Mann, Kinder, die Stadt und die Krone. Ein Unglück übersteigt das nächste, ein Abgrund des Leids und der Sinnlosigkeit tut sich auf. Jede sinnvolle Ordnung scheint vernichtet.

Auch Andromache, Kassandra, Helena, Klytaimnestra, Polyxena und viele weitere Frauen sind zur Beute geworden. Es bleibt ihnen nur zu klagen, ihre Erfahrungen der Überwältigung zum Ausdruck zu bringen. Aber wie soll man trauern angesichts dieses kaum aussprechbaren, unendlichen Leids? Was ist göttlicher Wille, was menschliche Verfügung? Euripides stellt sich auf die Seite der Verliererinnen, ihren Schicksalen und ihrer Perspektive gibt er Raum.

Die Frauen sind aber nicht nur die Leidenden und Leidtragenden, sondern sie werden zu Anklägerinnen gegen den Wahnsinn des Kriegs. Nur wenn eine Gesellschaft ihrer Toten gedenkt und Empathie mit den im physischen Kampf Unterlegenen aufbringen kann, ist es möglich, einen Prozess der Bewusstwerdung zu durchlaufen und geschichtliche Abläufe zu verarbeiten. Die immer wieder neu lesbaren und neu interpretierbaren Mythen helfen beim Verständnis, denn sie sind Voraussetzungen aller Kultur. Die große Frage, die sich seit den Troerinnen von 415 v. Chr. bis heute stellt, ist, mit welchen Mitteln können wir die zerstörerische Logik von Gewalt und Gegengewalt, von Unrecht und Rache durchbrechen?

Konstanze Lauterbach, die für ihr choreographisches und bildmächtiges Theater bekannt ist, folgt in ihrem Antikenprojekt den Schicksalen der einzelnen Frauenfiguren. Dabei interessiert sie sich nicht nur für deren Strategien im Überlebenskampf, sondern führt auch vor Augen, welchen Preis Andromache, Kassandra, Hekabe, Helena, Polyxena und Klytaimnestra bezahlt haben.

„Die troerinnen“
Ein Antikenprojekt nach Euripides

Premiere:
Donnerstag, 17. Mai 2012, 19 Uhr, DNT Weimar, Großes Haus

weitere Vorstellungen:
Sonntag, 27. Mai 2012, 19 Uhr, Großes Haus
Sonntag, 17. Juni 2012, 16 Uhr, Großes Haus
Mittwoch, 27. Juni 2012, 19.30 Uhr, Großes Haus

Text: Florian Berthold
Foto: Matthias_Horn

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10. Mai 2012 | Musik

BandsPrivat – der besondere Treffpunkt für all diejenigen, die Musik lieben

Von Stadtmagazin 07

BandsPrivat ist ein Format, welches Künstlern – sowohl bereits etablierten Musikern als auch Newcomern – eine Plattform bietet, sich und ihre Musik zu präsentieren. Das vom Med-Club Jena e.V. ins Leben gerufene Projekt wächst seit 2008 stetig und ist mittlerweile aus der Kultur-Szene Jenas kaum noch wegzudenken.

In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Centrum bietet das Haus auf der Mauer mit dem großen Saal und dem urigen Gewölbekeller die optimalen Räumlichkeiten für Konzerte in kleinem und persönlichem Rahmen. Die Musik steht dabei stets im Vordergrund, teilweise akustisch oder sogar unplugged. Die liebevolle Bühnendekoration mit Teppich und Stehlampe erzeugt eine warme und gemütliche Atmosphäre, in der sich Künstler und Publikum schnell wohlfühlen und ein gegenseitiges Kennenlernen auf ungekünstelte Weise ermöglicht wird.

Bei der Auswahl der Musiker beweisen die engagierten Mitarbeiter von BandsPrivat (Sebastian Perner, Elisabeth Luther, Mandy Keller) ein gutes Gespür für besondere Charaktere. Egal, ob Künstler aus Jena und Umgebung, wie z.B. „Talking To Turtles“, „Molatree“ und „Little Man Lost“, Künstler aus weiter entfernten Städten – „Deep Sea Diver“, „Do I Smell Cupcakes“ und „Binoculers“ – oder sogar internationale Musiker wie Kim Nixon, Charlie Barnes und Sarah Noni Metzner – sie alle und noch viele mehr standen bereits auf der Bühne von BandsPrivat.

Und es geht weiter: Am Samstag, den 28. April fiel der Startschuss für die neue Spielzeit im Sommersemester 2012, in der nun ein bis zwei Mal im Monat viele fantastische Künstler erwartet werden. Hingehen lohnt sich – zumal der Eintritt kostenlos ist, was angesichts der ausgezeichneten Musiker keinesfalls selbstverständlich ist.

Beim Auftakt-Konzert am 28. April gab es erneut internationalen Besuch: die Songwriterin und Multi-Instrumentalistin Joanna Chapman-Smith – bereits zum zweiten Mal bei BandsPrivat in Jena – und der sie begleitende Violinist Jaron Freeman-Fox aus Kanada. Als Vorband spielte das seit 2009 bestehende Weimarer Duo „Sophie de Vries“, das sich aus der Sängerin Sophie Ann Grobler und dem Gitarristen Marco de Vries zusammensetzt, welcher jedoch an diesem Abend durch Florian Fleischer vertreten wurde.

Der große Saal war schnell gefüllt, so dass „Sophie de Vries“ gegen 21 Uhr die Bühne betraten. Schnell entführten sie das Publikum in eine Welt des Jazz und erzeugten vermehrt sphärische Klänge in harmonisch dichter Komposition. Sophie, die in Weimar und Boston Jazz studiert hat, präsentierte gekonnt ihre stimmliche Bandbreite und ließ dennoch genügend Freiraum für Florians Gitarrensoli. Die von Sophie hauptsächlich selbstgeschriebenen Songs handeln von Abschied und gleichzeitigem Aufbruch, thematisieren ihre Familie sowie eine unerfüllte, heimliche Liebe und lassen trotz all der Schwere eine Leichtigkeit und Zuversicht heraushören.


Nach einer kurzen Pause betraten anschließend Joanna Chapman-Smith und Jaron Freeman-Fox, Hauptact des Abends, die Bühne. Mit dem Song „Things Are Gonna Go Wrong“ erzeugten sie sofort eine positive Dynamik und zeigten Humor. „I’m gonna make mistakes“, wie es später im Songtext heißt, sollte wohl eine Vorwarnung sein, wobei von ’Fehlern’ in dem gesamten weiteren Verlauf des Konzertes nicht die Rede sein konnte – im Gegenteil. Das Publikum wurde von Beginn an in den Bann von Joannas Musik gezogen, die unterschiedliche Stilrichtungen miteinander kombiniert – von traditionellem Folk und Jazz hin zu osteuropäischen und sogar lateinamerikanischen Klängen.

Jaron zeigte dabei ein feines Gespür bei seiner Geigen-Begleitung, setzte passende Akzente – ob zupfend oder streichend – und zeigte bei sich bietender Gelegenheit seine unglaubliche Virtuosität. Besonders schön gestaltete sich der Song „Melodies“, der sich auf Joannas zweitem Album „Contraries“ befindet und für den sie 2009 bereits den „Independent Music Award“ in der Kategorie „best acoustic song“ gewann. Das wunderschöne musikalische Arrangement – der Wechsel von Balkan-Rhythmen mit dramatisch klingenden Geigenläufen hin zu harmonischen, flächigen Melodien im Refrain – zeigte die Vielfalt Joannas Musik und ein sehr harmonisches und aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel der beiden Kanadier.

Joannas Gabe mit dem Publikum umzugehen, sich zu öffnen und es teilhaben zu lassen an den Geschichten, die sie in ihren Songs erzählt, gab dem gesamten Konzert eine sehr warmherzige und persönliche Note. Ob Songs über ihren neugeborenen Neffen, über ihre Heimat Kanada oder auch über „assholes“, bzw. ein Bestimmtes – Joanna fand immer die richtigen Worte, um ein Lächeln auf die Gesichter der Leute zu zaubern. Auch bezog sie das Publikum direkt mit ein, das bei „Arbitrary Lines“ begeistert mitsang, oder bei „A Glass of Right & Wrong“ nach Joannas und Jarons Aufforderung motiviert ihre „Ohs“ und „Yeahs“ an die richtigen Stellen setzte.

Jaron, der selber Frontmann der kanadischen Band „Opposite Of Everything“ ist, präsentierte einen seiner Songs „Back To The Boonies“. Seine schroffe Art zu singen, bildete einen tollen Kontrast zu Joannas weicher Stimme. Die Geige hielt er beim Spielen teilweise sogar hinter dem Rücken oder zwischen den Beinen und drehte vollkommen auf, so dass sich auch Joanna der Dynamik nicht entziehen konnte, ihre Brille auf den Boden warf und aus voller Kehle mitsang. Das Publikum war begeistert und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Trotz der im Raum herrschenden Hitze wollte keiner, dass dieser Abend je ein Ende findet und als es dann doch so weit war, wurde so lange applaudiert, bis Joanna und Jaron noch zwei weitere Male die Bühne betraten. „Now, I’m gonna make you cry“, kündigte Joanna das vorletzte, sehr gefühlvolle Stück „Cry For The Departed“ an und zeigte erneut ihre emotionale und menschliche Tiefe.

Ein unvergesslicher Abend mit fantastischen, außergewöhnlichen Künstlern ging zu Ende und man kann schon jetzt kaum erwarten, die beiden im nächsten Jahr hoffentlich wieder bei BandsPrivat begrüßen zu dürfen.

Auf Facebook schrieb Joanna:
A comment from a fan in Jena, Germany tonight: “You guys are like the bastard-child of Regina Spektor and Tom Waits”
…wie Recht er hat!

Kurz vor dem Soundcheck traf ich Joanna Chapman-Smith und Jaron Freeman-Fox zu einem Interview:


Wie habt ihr – du und Jaron euch kennengelernt?
Joanna: Wir lebten beide eine Zeit lang in Vancouver, aber getroffen haben wir uns eigentlich in Ottawa. Man sieht sich einmal, dann nochmal, und immer wieder.
Jaron: Ja, ich denke auch, dass sich die meisten Musiker in Kanada kennen, vor allem wenn sie nicht unbedingt Pop-Musik machen, sondern etwas weniger kommerzielle Musik. Es wäre also eher überraschend, wenn wir uns beide nicht kennen würden (lacht).


Nach deinem Debutalbum „Eyre Corvidae“ (2007) und dem Nachfolger „Contraries“ (2009) hast du nun die Arbeit an deinem dritten Album „Love Me Deeply“ beendet. Ist Jaron auf deinem neuen Album auch zu hören?
Joanna: Ja, er spielt bei einigen Songs mit. Das ist wahnsinnig toll und aufregend.

„Love Me Deeply“ beinhaltet auch sonst viele Gast-Performances…
Joanna: Ja, genau. Ich war gerade dabei Vancouver zu verlassen und nach Toronto zu ziehen. Bei dem Album wollte ich jedoch meine ganzen Lieblingskünstler aus Vancouver mit dabei haben. Also versuchte ich einen großen Teil zu bekommen, was mir ganz gut gelang. Zwar nicht immer – z.B. war es bis auf den Drummer nicht möglich, alle meine Freunde aus der Band „Maria in the shower“ dazu zu holen, aber insgesamt war ich doch sehr erfolgreich und konnte viele für mich gewinnen.

Was erwartet uns inhaltlich bei deinem neuen Album mit dem Titel „Love Me Deeply“? Gibt es ein übergeordnetes Thema?
Joanna: Ja und nein. Es ist kein „Konzept-Album“ mit ausschließlich einer Thematik. Aber es hat dennoch bestimmte Themen. Gewisse Dinge, die mir in meinem Leben passieren, bzw. in dieser Zeit, verarbeite ich beim Songwriting und sie kommen in den Songs zum Ausdruck. Bei dem Album spielt offensichtlich „Liebe“ eine Rolle, wodurch es sich stark von allen anderen Alben unterscheidet…(lacht). Es gibt da aber noch ein anderes Thema, das mich sehr inspiriert hat. Und zwar die „Stimme“.

Das ist interessant. Ich habe gehört, dass du Angst davor hast, deine Stimme zu verlieren? Woher kommt diese Angst?
Joanna: Daher, dass ich mal meine Stimme verloren habe. Die Stimme ist ein sehr emotionales Instrument. Wenn du aufhörst, deine alltägliche Stimme zu benutzen, dann kann es auch passieren, dass du deine Singstimme verlierst. Das ist mir vor ein paar Jahren passiert. Es begann mit einer normalen Erkältung, die sich jedoch zu etwas entwickelte, das mir noch immer nicht ganz klar ist. Ich bekam medizinische Hilfe und nach ein paar Wochen ging es mir wieder gut. Aber trotzdem beschäftigt mich dieses Thema „Stimme“ sehr und lässt mich nicht los.

Neben dem Gesang bist du auch bekannt als „Multi-Instrumentalistin“. Was für Instrumente spielst du?
Joanna: Ich spiele viele Instrumente, aber ich habe angefangen, mich auf den Gesang und das Gitarre – Spielen zu fokussieren. Bei einigen Songs spiele ich auch Klarinette und teilweise ein bisschen Klavier.

Auf der Bühne benutzt du zusätzlich häufig sehr spezielle, teilweise sogar ’selbstgebastelte’ Instrumente.
Joanna: Ja, das stimmt. Ich habe zum Beispiel aus Kupferrohren ein Xylophon gebaut. Oder vor kurzem, auf dem Weg zu einem Konzert in Lochem in den Niederlanden, hatte Jaron die Idee, einen Song auf Weingläsern zu spielen. Ich fand die Idee großartig.
Jaron: Ja, diese Tour hat etwas von einer europäischen Zigeuner-Tour. Wir haben jeweils nur ein Instrument mitgebracht, weil wir Angst hatten, dass sie im Flugzeug kaputt gehen könnten. Aber bei jedem Konzert versuchen wir, an möglichst viele Instrumente heranzukommen, z.B. probiere ich immer Kontrabässe zu klauen (lacht).
Joanna: Ja, wir hatten bis jetzt fast bei jeder Show eine unterschiedliche Instrumentalisierung oder auch verschiedene Gast-Künstler, z.B. die Klarinettistin von Kim Janson.

Joanna, wie schreibst du Songs? Hast du meistens eine bestimmte Vorstellung, wie der Song klingen sollte, oder fängst du eher ein bestimmtes Gefühl ein und lässt daraus Musik entstehen?
Joanna: Ich schreibe seit ich 11 Jahre alt bin. Und ich habe dementsprechend sehr viele unterschiedliche Varianten des Songschreibens ausprobiert. Ich denke, die Haupt-Regel ist, wenn es funktioniert, dann ist es gut. Außerdem stehen beide Dinge in unmittelbarer Beziehung zueinander. Ich meine, was sich gut anhört, fühlt sich auch gut an. Wie ist es bei dir Jaron? Schließlich bist du auch Komponist und Songwriter.
Jaron: Die Antwort ist „Ja“ und „Nein“ zu beiden Fragen. Es gibt bestimmte Dinge, die einem sehr wichtig sind und welche schließlich in den Songs herauskommen. Aber dennoch glaube ich, dass die einzig ehrliche und schöne Musik eher zufällig entsteht. Und als Komponist und Songwriter musst du offen dafür sein. Das zu viele Wissen über Musik ist denke ich auch einer der Gründe, die es heutzutage immer schwerer machen, diese wunderschöne und ehrliche Musik zu schreiben. Ich z.B. ging auf eine Jazz- und Kompositions-Schule und studierte indische, klassische Musik in Indien. Und wenn man zu viel weiß, denkt man zu viel. Dennoch habe ich meine Tricks, wie ich das abschalte…(lacht)

Entstehen aus den Erfahrungen, die ihr während einer Tour sammelt, Ideen für neue Songs?
Joanna: Ja, auf jeden Fall. Auch wenn nicht so viele, wie ich es gerne hätte – manchmal wenn etwas Tolles passiert, dann aber schon. Prinzipiell mag ich es jedoch, Zeit zu haben zum Schreiben, sodass sich die Ideen auf eine natürliche Weise entwickeln.
Jaron: Man muss außerdem aufpassen. Es gibt diese Bands, die all diese tollen Songs geschrieben haben, aber nachdem sie das ganze Jahr getourt sind, fängt jeder Song an gleich zu klingen. In etwa so: (Jaron singt und lacht) „The road that I’ve been taking…“ Also muss man vorsichtig sein. Ich meine, schreib über die Dinge, die um dich herum passieren, aber halt dabei eher Ausschau nach den besonderen Dingen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Alles über BandsPrivat im Internet gibt’s unter: www.facebook.com/bandsprivat

Die nächsten Konzerttermine:
Sa. 26.05. „Me and Oceans“ + „My invisible Friend“
Sa. 02.06. “Do I smell Cupcakes” + “Kapelle Weyerer”

Text und Interview: Marlen Schernbeck
Bilder: Christoph Worsch

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7. Mai 2012 | Bühne, Freizeit, Kultur

Der Startschuss zur KulturArena ist gefallen

Von Stadtmagazin 07

Es ist wieder soweit – der Arenasommer steht vor der Tür! Umrahmt von Einlagen des Schauspielers Benjamin Mährlein – seines Zeichens angestellt am hiesigen Theaterhaus – gaben die KulturArena-Macher heute in einer äußerst humorvollen und kurzweiligen Pressekonferenz das Programm für das diesjährige Festival bekannt.

Nach der ArenaOuvertüre mit der Feurigen Musiknacht am 23. und 24. Juni in Lobeda startet die eigentliche KulturArena auf dem Theatervorplatz ganz traditionell mit ihrem großen Sommerspektakel. Zu sehen ist in diesem Jahr die Theateraufführung Frankenstein nach Mary W. Shelley. Das Theaterhaus um Regisseur Moritz Schönecker verspricht ein lustiges, gruseliges und auch trauriges Stück, welches wieder mit vielen Statisten auf dem Theatervorplatz stattfinden wird. Der Startschuss zur Premiere fällt am 12. Juni 2012, weitere Aufführungen folgen am 13., 14. und 15.07. jeweils um 21.30 Uhr.

Musikalisch erwartet die Besucher auch in diesem Jahr wieder eine Reise quer durch die Welt. Aus allen Ecken der Erde werden die Künstler in Jena erwartet – zählen wir die Länder doch einfach mal auf: Japan, Mali, die Niederlande, England, Frankreich, die USA, Mexiko, Kuba, Norwegen, Ghana, Italien, Kuba, Brasilien, Polen, die Schweiz, Vietnam, Portugal, Österreich – und natürlich auch aus Deutschland, welches trotz aller weltweit anreisenden Künstler mit seiner neuen Generation von Musikern einen Schwerpunkt der diesjährigen Kulturarena bildet.

Fink

Es würde den Rahmen sprengen jetzt alle Künstler einzeln vorzustellen, doch einige Highlights seien hier schon genannt: Kool and the Gang dürften vielen durch ihre Disco-Kracher „Celebration“ und „Jungle Boogie“ bekannt sein. Lamb aus England – Ikonen des TripHop der Neunziger Jahre – werden das Publikum mit feinster elektronischer Musik erfreuen.

Ebenfalls von der Insel stammt Fink. Er hat seine Wurzeln gleichfalls im elektronischen Bereich, was man heute durchaus auch noch heraushört – in die Schublade ’Elektro’ lässt er sich jedoch schon längst nicht mehr stecken. BOY aus Deutschland gelten als große, neue Hoffnung am Musikhimmel und haben sich in ihrer kurzen Karriere bereits den Ruf einer hervorragenden Liveband erspielt.

Auch die Freunde der Singer/Songwriter kommen auf ihre Kosten. Felix Meyer und Max Prosa stehen ganz in der Tradition eines Bob Dylan.

Dancas Ocultas

Salsafreunde können sich auf die Konzerte der Kubaner von Manolito y su Trabuco und Juan de Marcos’ Afro-Cuban All Stars freuen. Eine ähnliche Richtung schlägt auch Danças Ocultas aus Portugal ein, wenngleich die Folklore dieser Band noch keinen eigentlichen Namen besitzt. Aber das zeichnet die KulturArena aus – musikalische Schranken gibt es nicht.

Natürlich fährt das Jenaer Kassablanca in diesem Jahr auch wieder seinen Arenaclub auf. Die großartigen Brandt Brauer Frick werden dort ebenso zu erleben sein wie die Leipziger Pentatones.

Und zum Arenaabschluss erwartet die Besucher ein besonderes Schmankerl – Bauchklang & Kummerbuben vermischen Schweizer Volkslieder zu flotten Rock-Polkas und schrecken auch vor tiefem Drum’n'Bass nicht zurück.

Das ist musikalisch gesehen noch längst nicht alles. Doch wie immer gilt: jeder Besucher kann sich sein eigenes Highlight herauspicken, für jeden Geschmack ist wieder etwas dabei. Ob lateinamerikanische Rhythmen, elektronische Beats, Funk oder Soul – kein Tanzbein wird stehen bleiben.

Der Zauberer von Oz

Die Filmfreunde kommen in diesem Jahr natürlich auch nicht zu kurz. Vom Zauberer von Oz über Ziemlich beste Freunde bis hin zur allseits beliebten Kurzfilmnacht ist alles dabei, was das Cineastenherz begehrt.

KinderArena: Donikkl

Ebenso findet die KinderArena in diesem Jahr wieder statt. An fünf Sonntagen während der Festivalzeit können auch die Kleinen Arenaluft schnuppern.

Und und und… es gäbe noch einiges mehr zu vermelden, zum Beispiel die Thüringer Landesmeisterschaft im Poetry Slam am 29.07. in der KulturArena oder die beliebte ArenAkustik im Volksbad. Doch wir wollen nicht alles verraten, denn schließlich macht es am meisten Spaß sich selbst durch das Programm zu wühlen. Das Stadtmagazin07 wünscht jedenfalls allen Arenagängern und Festivalbesuchern viel Spaß im diesjährigen Konzertsommer!

Übrigens: Auch in diesem Jahr gibt es wieder Jokerkarten und den Festivalpass zu erwerben, welcher zum Eintritt zu allen Veranstaltungen berechtigt. Weiterführende Information zum Programm und zum Kartenverkauf können unter www.kulturarena.de eingesehen werden. Tickets für alle Veranstaltungen sind ab sofort an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie über die Website des Festivals erhältlich.

Text: Michael Stocker
Fotos: JenaKultur

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2. Mai 2012 | Gedruckte Ausgabe

Neues Magazin: jetzt erhältlich!

Von Stadtmagazin 07


Die neue Ausgabe 36: Mai 2012 unseres Magazins finden Sie kostenlos an den gewohnten Auslagestellen und im Abo.

Viel Spaß beim Lesen!

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