„Emilia Galotti“-Premiere, 19.00 Uhr DNT Weimar am 10.11.2012


Es ist der Hochzeitstag von Emilia Galotti, an dem ihr der Prinz Hettore Gonzaga in der Frühandacht Unflätigkeiten ins Ohr flüstert. Zu ihrem Entsetzen machen sie ihr nicht nur Angst, sondern auch Lust. Der Prinz steht unter Druck: Will er Emilia gewinnen, muss er ihren zukünftigen Ehemann aus dem Weg räumen, Emilia auf sein Lustschloss bringen lassen, sie umgarnen, ihre Mutter besänftigen, ihren Vater beruhigen, seine Geliebte abwehren. Sein Minister Marinelli spinnt sämtliche Fäden zu einer Intrige zusammen, aber am Ende des Tages bleibt von allen Wünschen und Sehnsüchten nur noch ein Scherbenhaufen übrig: Eine Entführung, Liebesschwüre und zwei Morde sind das Resultat der explodierenden Widersprüche dieser bürgerlichen Gesellschaft. In atemberaubendem Tempo jagt Lessing seine Figuren durch emotionale Ausnahmezustände und verwandelt sie in leidenschaftlich Rasende. Der Preis der Tugend wird benannt, Gefühle sind zu unterdrücken – und die Bedürfnisse der jungen Emilia, um deren Wohl sich alle besorgt geben, werden gar nicht ernst genommen. Wie kann sich ein Einzelner gegen Projektionen zur Wehr setzen, sich gegen Vereinnahmungen behaupten und seine wirklichen Gefühle in abhängigen Machtkonstellationen herausfiltern? Lessing lässt die feudalen Vorstellungen von Liebe und Ehe auf den neuen empfindsamen Liebesdiskurs der Bürger prallen. Heraus kommt eine brisante Mischung, die zuerst einmal ins Chaos führt.

Regie führt Thirza Bruncken, in Weimar durch ihre Inszenierungen von Goethes Mitschuldigen und Strindbergs Totentanz bekannt. Seit Beginn der 90er Jahre arbeitet sie als freie Regisseurin, z.B. in Köln, Hamburg, München, Leipzig, Wien und Frankfurt am Main. Zuletzt brachte sie in Krefeld/Mönchengladbach Bunburry von Oscar Wilde heraus.

Text: Rebekka Mönch
Foto: DNT Weimar

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